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Merret startet in 2022 durch! 

Das Jahr ist noch jung. Die guten Vorsätze sind noch frisch. Und das Bürgernetzwerk „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“ geht ins dritte Jahr. Wir haben neue Kräfte gesammelt. Wir setzen unsere erfolgreiche Arbeit fort, die krassen Fehlentwicklungen auf unserer Heimatinsel zu stoppen oder wenigstens zu bremsen. Es ist kein „Marsch durch die Institutionen“, es ähnelt eher dem Kurshalten auf stürmischer See.

Zu stark und vielfältig sind die Gemeinschaft zersetzenden Kräfte, zu viel Geld ist im Spiel, zu undurchdringlich sind Zwist und gleichzeitig die Verbindungen zwischen Kapital, Politik und Verwaltung. Zu lange läuft schon der Ausverkauf. Trotzdem macht „Merret“ weiter. Manchmal kommt es einem vor wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel, aber was ist die Alternative? Alles sehend und wissend einfach weiterlaufen lassen? Unsere Insel aufgeben? Mitschwimmen, bis wir dann doch ertrinken?

Wer sind die „Merrets“ eigentlich?

Zum größten Teil sind es Sylterinnen und Sylter, die schon lange auf der Insel leben, manche seit Generationen. Alle sind gut vernetzt und Teil der insularen Gemeinschaft, viele besitzen Eigentum. Zuspruch erfährt „Merret“ von allen Seiten auch von unseren Gästen und anderen Regionen mit ähnlichen Sorgen. Manche unterstützen still, manche offen. Selbst diejenigen, die vom Strukturwandel finanziell enorm profitieren, geben hinter vorgehaltener Hand zu, dass wir die Insel verlieren, wenn jetzt nicht endlich die Bremse gezogen wird. Manche formulieren ihre Unterstützung für „Merret“ auch ganz offen. Z.B. Öger Akgün, der in 2021 eindrucksvoll in der Sylter Rundschau eingestanden hat, dass das System Sylt mit seinem Gästebetrieb bald an sein Ende kommt, wenn wir den Insulanern keine Heimat mehr bieten können. Doch was schließt er aus dieser Analyse und welche Handlungsweisen zur Lösung der Probleme folgen seiner Meinung nach daraus? Das ist es, was „Merret“ interessiert.

Wir wollen Lösungsansätze mit wichtigen Playern finden.

Es hat auf Sylt eine lange Tradition, diejenigen zu diskreditieren, die sich für einen Erhalt der Natur und der insularen Gemeinschaft einsetzen. Sie stehen der Gewinnmaximierung im Weg. Es ist aufwändig, und man fragt sich, ob es denn überhaupt etwas bringt, Zeit, Geld und Nerven zu investieren, um darauf aufmerksam zu machen, wieviel hier eigentlich falsch läuft. 

Ihr seid doch gar nicht legitimiert – wird uns oft gesagt. Aber wir haben gewählt und anderen die Verantwortung übertragen. Und nun fragen wir genau nach, was die, die wir gewählt haben, mit der übertragenen Verantwortung wirklich zu unserem Wohle anstellen.

Häufig muss sich das Bürgernetzwerk Kritik an seinem „Stil“ gefallen lassen. „Merret“ solle sich doch bitte an die allgemein üblichen Gepflogenheiten halten. Im Klartext heißt das: Auch „Merret“ soll wie bislang üblich in Hinterzimmern und im Kreis einer kleinen exklusiven Elite die Zukunft der Insel aushandeln. Das ist der „Stil“, mit dem auf Sylt Politik gemacht wird.

Aber genau das ist es, was „Merret“ nicht will. Genau dieser „Stil“ ist es ja, der „ Merret „ auf den Plan gerufen hat, der uns dort hingebracht hat, wo wir jetzt stehen. An den Rand der Klippe.

Jahrzehntelang sind Tourismusentwicklung und Marketing vorangetrieben worden, ohne die einheimische Bevölkerung aktiv mit einzubeziehen oder abzufragen. Seit Jahrzehnten gibt es auf der Insel eine Bauplanung ohne Agenda und Weitblick. Dazu ein ständiges Gegeneinander auf 100km2 Naturwunderraum, der die Grundlage unserer Existenz ist.

In diesem Kontext ist es schon bemerkenswert, wenn der Hörnumer Bürgermeister Speth behauptet, es sei „totaler Quatsch“, was „Merret“ über das umstrittene Bauprojekt Hörnum Nord schreibt. Dort sollen nämlich 133 neue Wohnungen im Biotop entstehen. Ursprünglich mal ausschließlich Dauerwohnungen, jetzt doch wieder mit Öffnungsklausel fürs Ferienwohnen. Ein klassischer Syltdeal. Oder etwa nicht?

Ist es „totaler Quatsch“, dass ein Investor dort ein Großprojekt in die Sylter Landschaft setzen will?

Ist es „totaler Quatsch“, dass die einzigartige Sylter Naturlandschaft kurzerhand zu Bauland umfunktioniert werden soll?

Ist es „totaler Quatsch“, dass die Kommune Hörnum keine Entscheidungsgewalt über die Belegung der Wohnungen bekommt?

Stimmt es denn nicht, dass dort auch luxuriöse Golflodges entstehen sollen?

Ist es „totaler Quatsch“, dass da ein Deal zum Tragen kommen soll, der wieder nur eins zum Ziel hat: mit dem Schinken nach der Wurst zu werfen. Ins Schaufenster werden ein paar neue Dauerwohnungen zum günstigen Mietpreis gelegt, aber in Wirklichkeit will man auch hier wieder mit Sylt-Immobilien Geld verdienen.

Wenn „Merret“ solche Deals nicht öffentlich macht, wer dann? Wer erklärt denn mal, wie die Entscheidungsprozesse auf Sylt laufen? Wie das Große mit dem Kleinen zusammenhängt?

Wir gehen mit den Machern dieser Insel in die Diskussion und wenn es nötig ist auch in die Auseinandersetzung. Wir halten Einschüchterungsversuche aus, die einen sprachlos machen und als Klageandrohung mit astronomischem Streitwert daherkommen! Das ist kein Spaß. Wer mal testen will, wie sich das anfühlt, wenn dich vorne jemand anlächelt und dir in den Mantel hilft aber hinten die schlimmsten Geschichten erzählt, der kommt zu „Merret“.

2021 war für das Bürgernetzwerk ein anstrengendes Jahr. Aber es war auch ein erfolgreiches Jahr. Viele Themen wie der „Dünenpark“, die „Dünenkrone“, „Bürgerratthematik“, „Innenstadtgestaltung“, „Dauerwohnraumsicherung“, „Bürgerbeteiligung im Klimakonzept 2021“, „Verkehrskollaps“, „Live-Interviews zur Bürgermeisterwahl“, um nur einiges zu nennen, wurden durch „Merret“ erst schön und vor allem prominent. Dazu haben wir auch viel Spaß gehabt mit der Produktion unseres „Sommersongs“ und unserer „Biike-Hymne“. 

Danke an alle, die im letzten Jahr mitgemacht haben

und danke auch an alle, die „Merret“ unterstützen, und sei es auch heimlich. „Merret“ bleibt dran. Wir können nicht zaubern. Wir können aber etwas für die Sylter Seele tun. Irgendwann wird es, wie heute mit Blick auf Atlantis in den 70er Jahren vielleicht mal heißen: „Wenn die nicht gewesen wären.“ Vielleicht heißt es aber auch: „Hat alles nichts gebracht.“

Ein Umdenken in der Zukunft ist für uns alternativlos und gestern wie heute gilt: „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“.

 

Merret präsentierte: Rahmenplan der Städtebau-AG der TU Berlin in Westerland

Studenten der TU Berlin erarbeiteten Visionen für Westerlands Innenstadt

Am Freitag, den 22. Oktober 2021, lud die Bürgerinitiative „Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt“ zur Vorstellung des „Städtebaulichen Rahmenplans für die Innenstadt Westerlands“ ein. Eine Arbeitsgruppe der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) hat den Rahmenplan unter Leitung von Roland Schröder erarbeitet. Nun wurde der Rahmenplan erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, per Zoom-Videokonferenz und in einer zeitgleichen Hybridveranstaltung mit anschließender Diskussion.

Die Veranstaltung fand reges Interesse. Online verfolgten ca. 35 Teilnehmer*innen die Präsentation. Im vollbesetzten Seminarraum in der Alten Post versammelten sich noch einmal ebenso viele Interessierte unter 3G-Bedingungen. 

Die Studierenden der TU Berlin beschäftigten sich im Rahmen ihres Masterstudiums am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin mit der Innenstadt Westerlands. Zweimal besuchten die Studierenden im Frühjahr 2021 die Insel und führten dabei Expert*innen-Interviews, zum Beispiel mit Bürgermeister Nikolas Häckel oder der Lebenshilfe. Darüber hinaus boten die Studierenden Stadtspaziergänge an, um mehr über die Bedürfnisse der Inselbewohner*innen zu erfahren. Etwa 50 Bürger*innen nahmen dieses Angebot wahr. Und 355 Teilnehmer*innen beteiligten sich an einer Online-Umfrage. Unterstützt wurde das Projekt auch von der Ortsentwicklung der Verwaltung. 

Bei der Erstellung des Städtebaulichen Rahmenplans identifizierten die Studierenden fünf Handlungsfelder: Städtebau und Baukultur, Dauerwohnen, Gewerbe und Soziales, Öffentlicher Raum und Verkehr und Mobilität. Für jeden dieser Themenschwerpunkte wurde eine SWOT1-Analyse durchgeführt, Leitlinien und Ziele erarbeitet sowie Maßnahmen zur Umsetzung entwickelt. 

Während der Zoom-Präsentation des Städtebaulichen Rahmenplans führten die Studierenden ihr Publikum professionell in die Struktur des Projektes ein und stellten ihre Arbeit anhand von einigen Beispielen vor. Der komplette Rahmenplan umfasst über 200 Seiten. So breit gefächert wie die Themenfelder, so vielfältig sind die Lösungsvorschläge. 

Als grundlegender Tenor lassen sich drei Themen ausmachen: 

  1. Entsiegelung und Schaffung von Raum und Aufenthaltsqualität für den Bürger. Die Idee konsumfreie Angebote für die Bewohner zu schaffen, zieht sich durch viele Maßnahmen, ebenso wie die Idee von bürgernahen Prozessen. 
  2. Sehr deutliche Worte fanden die Studierenden beim Thema Verkehr. Sie empfehlen eine Ablösung von der autobetonten Stadt: mehr Raum, mehr Sicherheit, mehr Wohlfühlen für Fußgänger und Radfahrer seien die Ziele. Um dies zu erreichen, solle der motorisierte Individualverkehr sowohl im Straßen- als auch im Parkraum eingeschränkt werden. Gleichzeitig müsse der öffentliche Nahverkehr deutlich verbessert werden und Punkte geschaffen werden, an denen die Verkehrsmittel fließend gewechselt werden können. 
  3. Auch beim Thema Dauerwohnraum breiteten die Studierenden eine klare Vision aus:  Es brauche mehr kommunalen Dauerwohnraum, so ihre eindeutige Analyse. Auf dem gemeindeeigenen Grund der großen Parkplätze z.B. an der Johann-Möller-Straße könne neuer Wohnraum geschaffen werden. Die Studierende haben sich aber auch mit der Sicherung von Dauerwohnraum beschäftigt. Die Gemeinde Sylt solle sich gegenüber dem Land klar positionieren, um ein Wohnraumschutzgesetz für Schleswig-Holstein zu erwirken. Ein solches Gesetz könne eine Basis für die Beschränkung von Ferienwohnungen sein.

In der anschließenden Diskussion erkundigte sich ein Teilnehmer, ob die Folgen des Parkplatzrückbaues im vorgestellten Städtebaulichen Rahmenplan bedacht worden seien. Roland Schröder verwies in seiner Antwort auf die Stadt Kopenhagen, in der noch vor einigen Jahren 80 Prozent der Menschen vor allem mit ihrem eigenen Auto unterwegs waren. Dies wollten die Verantwortlichen ändern. Heute gilt die dänische Hauptstadt als Musterbeispiel einer lebenswerten Stadt, mit einem hohen Anteil an Fußgängern und Radfahrern. Das Beispiel zeigt:  Es braucht Mut zur Entscheidung. Dann kann ein wunderbares Miteinander und eine lebensfreundliche Stadt entstehen. 

Nun ist es Aufgabe der interessierten Bürger*innen, der Politik und der Verwaltung den Rahmenplan in Gänze zu studieren und die Anregungen zu nutzen, um eigene Visionen zu schaffen und konkret an deren Umsetzung zu arbeiten. 

Interessierte können den Rahmenplan hier herunterladen.

 

1 Die SWOT-Analyse ist ein Instrument der strategischen Planung. (Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken).

Bürgerbeteiligung

Quo vadis Sylt? „Merret reicht’s“ lädt zur Präsentation des Städtebaulichen Rahmenplans der TU Berlin

Welches städtebauliche Potenzial steckt im Westerländer Zentrum? Und wie lässt sich der Bereich zwischen Bahnhof und Strandpromenade in den kommenden Jahren entwickeln?

Antworten auf Fragen wie diese geben Studierende der Technischen Universität Berlin bei der  Vorstellung des Städtebaulichen Rahmenplans mit Leitlinien, Zielen und Maßnahmen
am 22. Oktober 2021 ab 18 Uhr
in einer Zoom-Videokonferenz. Die Bürgerinitiative „Merret reicht´s – Aus Liebe zu Sylt“ lädt zur gemeinsamen Teilnahme mit anschließender Diskussion im Seminarraum in der Alten Post, Stephanstraße 6, 25980 Sylt ein.

Mit der öffentlichen Übertragung der Videokonferenz schafft Merret die Möglichkeit, die Ergebnisse und Ideen der Forschenden allen interessierten  Sylterinnen und Syltern zugänglich zu machen und zur Debatte zu stellen.
Für den Städtebaulichen Rahmenplan hatten sich zwei Studienprojekte des Instituts für Stadtund  Regionalplanung der Technischen Universität Berlin rund ein Jahr lang mit der Insel Sylt, dem Ortsteil Westerland und insbesondere dem Innenstadtbereich zwischen Bahnhof und Strandpromenade beschäftigt. Neben Grundlagen, Rahmenbedingungen sowie historischen Entwicklungen untersuchten die Studierenden vorliegende Planwerke, Satzungen und Gutachten  auf ihre Wirkungsweise und Möglichkeiten. Dabei stimmten sie sich mit dem Bereich Ortsentwicklung der Gemeindeverwaltung Sylt ab.
Projektleiter Roland Schröder:
„Im Februar und Mai 2021 haben wir jeweils eine Exkursion
nach Westerland unternommen. Diese Besuche haben wir für die Durchführung einer gebäudescharfen Ortsbildanalyse und die Bewertung der öffentlichen Räume genutzt.“
Expertengespräche, ein Stadtspaziergang zur Bürger- und Gästebeteiligung sowie eine Online- Befragung waren weitere Elemente der Untersuchung. Roland Schröder: „Allen Mitwirkenden möchten wir an dieser Stelle nochmals unseren herzlichen Dank für die Unterstützung aussprechen.“
Der Entwurf des Städtebaulichen Rahmenplans wird der Gemeinde Sylt voraussichtlich am 19. Oktober 2021 vorgestellt.

Für die gemeinsame Teilnahme im Seminarraum in der Alten Post ist eine Anmeldung per E-Mail unter bauen@merret-sylt.de oder telefonisch unter 0157/ 760 86 988 erforderlich: Es gilt die 3G-Regel. An der Zoom-Konferenz können Interessierte mit den folgenden Einwahldaten teilnehmen:
Thema: Vorstellung Städtebaulicher Rahmenplan Westerland
https://tu-berlin.zoom.us/j/61177462450?pwd=ZnRtYzgyZ1U1SzdjL2gwZ2Y2Q1ZUUT09

Meeting-ID: 611 7746 2450
Kenncode: 054608
Schnelleinwahl mobil
+496950502596,,61177462450#,,,,,,0#,,054608# Deutschland
+496971049922,,61177462450#,,,,,,0#,,054608# Deutschland
Ortseinwahl suchen: https://tu-berlin

Merret gibt Impulse!

Die Innenstadt von Westerland empfinden viele als nicht mehr zeitgemäss und zu wenig BürgerInnen-orientiert. Nun stehen Fördermittel des Landes für Innenstadt-Attraktivierung zur Verfügung. Leider ist bislang die Stadtverwaltung nicht in die Pötte gekommen, die Mittel mit guten Ideen zu beantragen. Deshalb legt Merret jetzt ein Impulspapier vor:

Die Weiterentwicklung und Modernisierung der Westerländer Innenstadt sieht „Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt“ als ein sehr wichtiges Thema an. Ein Funktionieren dieses urbanen Raumes ist nicht nur die Grundlage für das wichtige Standbein der Insel, den Tourismus. Es ist auch essenziell, damit Westerland seine Funktion als Zentrum erfüllen kann. Vor allen Dingen trägt eine lebendige Innenstadt zur Identifikation der Bewohner der größten Gemeinde der Insel mit ihrem Lebensraum bei.

Vor diesem Hintergrund sieht „Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt“ den Impuls der SMG, diesbezüglich einen kooperativen Prozess anzustoßen, als sehr wertvoll an. Dieser Prozess sollte schnellstmöglich in Gang kommen. Das Bürgernetzwerk ist gerne bereit, hier seinen Beitrag zu leisten und freut sich auf eine Zusammenarbeit mit allen Akteuren.
Dieser gemeinschaftliche Prozess braucht Zeit. Zeit, die es mit Blick auf die gerade zur Verfügung stehenden Fördergelder der Investitionsbank Schleswig-Holsteins vermutlich nicht gibt. So sehen wir eine schnelle politische Entscheidung für konkrete kurz- und mittelfristige Maßnahmen für einen Förderantrag an erster Stelle. Diese Maßnahmen sollten dann nahtlos in den parallel anlaufenden – aber längerfristigen – Prozess der Gestaltung des Lebens- und Arbeitsraumes Westerland fließen.

Um die politische Entscheidung zu unterstützen, bietet „Merret“ im Folgenden einige Gedanken, die Sie, unsere politischen Mandatsträger, anregen mögen, schnelle und klare Aufträge für die Verwaltung zu formulieren, um den Förderantrag baldmöglichst auf den Weg zu bringen.
Vorab sind die Vision und die Frage zu klären, was passt zu Sylt:

Was ist Sylter Identität? 

  • Natur – Meer, Strand, Düne, Sandbänke, Watt, Ebbe & Flut, Wind, Ruhe
  • Kein Kitsch und Trödel, sondern klar, weltoffen, wertig und der Natur entlehnt
  • Keine Schifffahrtsmotive, keine überdimensionalen Anker

Leitgedanke: 

  • Das grüne Band der Natur mäandert durch die Fußgängerzone – vom Bahnhof bis zum Meer.
  • Inseln mit Bänken geben Aufenthaltsqualität und laden zum Verweilen ein. Der Sitzende kann seine Umgebung beobachten und mit ihr in Kontakt/ Resonanz treten. Im optimalen Fall kann der Blick auf ein kulturelles Angebot schweifen, z. B. auf Skulpturen. 
  • Die Inszenierung der Aufenthaltsinseln sollte authentisch, klar, modern und von Sylter Identität geprägt sein.

Im Folgenden werden einige Entwicklungswege dargestellt. Sie sind hier bewusst skizzenartig aufgeführt, damit Raum für kooperative Entwicklung bleibt.

Entsiegelung, Begrünung

    • Pflanzen, Bäume, Inseln von Dünengras o.ä. 
    • Blumengebinde an Straßenleuchten (als 3. Ebene, s. Bild) 
    • Urban Gardening Projekte (Blumenbeet vor dem Laden..,
      von Anwohnern / Angestellten eines Geschäftes zu gestalten) 
    • Grünfassaden (z.B. aus Moos, siehe Bild)
    • Nachhaltigkeit

Lebensraum schaffen als Ergänzung zu Hektik und Wirtschaft  

  • Kombination von Sitzraum und nachhaltiger Schnellküche schaffen
    • Varianz in der Wahl der Bänke: z.B. durch Dialogbänke oder runde, hohe Bänke, die ein wenig eingegrünt sind 
    • Auflockerung der linearen Rechteckigkeit
    • Ruheinseln schaffen, den geraden Fluss unterbrechen
    • große Holztreppe, Open-Air-Bühne, die einlädt zum Verweilen (vielleicht bei der Neuen Mitte, auch um Sichtbarkeit des Parkplatzes zu reduzieren, Vorbilder wären Wenningstedt und das Karo-Viertel in Hamburg, siehe Bild unten) und sich öffnet für z.B. für Kleinkunst
    • Kunst im Raum
    • Spielgeräte für Kinder integriert im Straßenraum oder an einzelnen Plätzen
    • Wasserspiele
    • Kletterwand
    • Revitalisierung der Partys im Bahnhofentrée
    • Künstler – Skulpturen aus Holz ähnlich den Keitumer Skulpturen
    • Wasserzapfstellen
    • Windspiele
    • Nachhaltigkeit

Pop-Up-Stores in leerstehenden
– oder auch dafür subventionierten Ladeneinheiten
(Miete – vorübergehend – getragen von der Gemeinde und/oder Wirtschaftsverband) 

    • Sylter Künstler arbeiten dort vorübergehend sichtbar und nahbar
    • Ausstellungen
    • Geschichtensammler (Kreative nehmen Lebensgeschichten auf, hören zu, sammeln sie.. eventuell in Zusammenarbeit mit dem Projekt Inselschreiber, evtl. mit Möglichkeit daraus ein Buch mit Geschichten zu machen, jede Saison aufs Neue)
    • Angebote für Kinder
    • Bürgerbüro
    • Kulturraum
    • Kleinere Konzerte
    • Poetry Slam
    • Nacht der Sylter Bands
    • DIY Bastelläden, Kerzenmacherei, Töpferei, Nähladen…

Tourismus

  • Geschichtsfiguren, Suchspiel (kleine Figuren z.B. Bronzen basierend auf den Mythen der Sylter versteckt in den Fassaden und der ganzen Innenstadt) 
  • QR-Code an den Häusern, der zu einer App führt, die wissenswerte Historie vermittelt – evtl. gekoppelt mit einer Rallye
  • Gut gestaltete Infotafel mit Temperatur, Zeit, Luftdruck, Tide, Wassertemperatur
  • Wegeführung: Am Bahnhof „Zum Meer“, weiß der Besucher, wo er hin muss? Wissen gibt Sicherheit gibt Wohlfühlen und Gelassenheit. Was sucht der Gast? WC’s? Weg zum Strand. Weg zu gewissen Hotspots? 

Stadtbild – Grundlage für Lebensraum und Tourismus

  • Erinnerung an die historischen Wurzeln: Fassaden und Materialien und Straßenbelag
  • Sanierung der historischen Fassaden
  • Definition der „Sylter“ Materialien und Fassadengestaltung
  • Einheitlichkeit erzeugen
  • Gestaltungen der neuen Mitte und des Rathausparkes ausweiten – ein Ganzes daraus machen, inkl. Kurpromenade, Querstraßen mit einbeziehen
  • Bänke auch nachts sanft beleuchten
  • Verbindung Stephanstraße/Victoriastraße wunderbar verkehrsberuhigt – es fehlen Aufenthaltsräume z.B. Bänke oder Grün
  • Wie weit dürfen die Läden und Gastronomien auf die Straße kommen? Welche Art Vorbauten/Windschutzanlagen will man? Gelingt vielleicht – mit Hilfe der SU – ein einheitliches Konzept, vielleicht unter Integration von Holzkübeln und Dünengras? 
  • Reduktion der Vitrinen, um Platz zu schaffen für Ruheinseln.
  • Parkplätze reduzieren, Flächen für Bänke, Kunst oder Natur nutzen.

04.10.2021

Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt

 

Merret-Aktion in der NDR-Nordtour

„Wahlheimat Sylt“ hieß das Thema der neusten Nordtour im NDR-Fernsehen. Eine interessant geschnittene Sendung über Sylt, die Menschen vorstellt, die sich entschlossen, aus ihrer Heimat auf die Insel zu ziehen und  hier  zu leben.

Stellvertretend für MERRET wurde Silke v. Bremen von unserem Netzwerk begleitet, die einst aus dem Alten Land nach Sylt zog. Die Sprecherin führte die ersten Bilder von Merret mit den Worten ein: „Diese Truppe hier ist gereizt, sie haben Gasflaschen dabei und Zündschnüre“. Was natürlich völliger Unsinn ist und vermutlich einem journalistischem Jargon geschuldet ist. Ein wenig Provokation am Anfang macht sich ganz gut. In Wirklichkeit war es ein Bunsenbrenner und viele Biike Fackeln, aus denen wir am Strand ein Herz formten- aus Liebe zu Sylt.

Immerhin! Dank dieser Sendung sind wir überregional gesehen und gehört worden. Die Reaktionen sind verblüffend zahlreich und positiv, wie Familie R. aus Niedersachsen, die uns unter dem Stichwort „Wie ich mir Sylt in 20 Jahren wünsche“ schrieb
„Ich wünsche mir, dass meine Enkel eines Tages das gleiche Gefühl haben dürfen wie ich vor 36 Jahren mit 14 Jahren und meinen drei Kindern vor 20 Jahren, es kaum erwarten zu können, nach „Hause“ zu kommen.
Diese Insel ist etwas Besonderes, auch ihre echten Einwohner. Dieses Gefühl kann man nicht mit Geld kaufen. Die Schönen und Reichen haben diese Insel schon längst verlassen, jetzt geht es nur noch um Profit.
Ich hoffe dass Sie alle durchhalten bis auch das vorüber ist. Und dass diese Insel dann wieder ein zu Hause für sie alle sein kann.“

Sehen Sie selbst:

NDR NordTour-Der Link

 

Merret trifft Habeck auf Sylt

Anlässlich seiner „KüstenTour“ stattete Robert Habeck der Insel Sylt einen Wahlkampfbesuch ab. Merret nutzte als Bürgernetzwerk die Gunst der Stunde und übergab folgenden Brief mit Forderungen an die grosse Politik:

Westerland, den 12. Juli 2021

Lieber Robert Habeck, wir brauchen Sie! Jetzt!

„Verantwortung beweist sich dann, wenn man bereit ist, über das eigene unmittelbare Interesse hinaus zu handeln.“ Dieses Zitat stammt von Ihnen und wir – das Bürgernetzwerk „Merret reicht´s“ – teilen Ihre Auffassung.
Seit Jahrzehnten erleben viele Insulaner und ihre Gäste den Raubbau an der Insel Sylt. In der Folge hat sich Politikverdrossenheit und Ohnmacht etabliert.
Wir wollen nicht länger schweigend zusehen, wie die Inselnatur und die hier lebende Gemeinschaft am „immer mehr“ des touristischen Wachstums zugrunde geht.
Seit einem Jahr arbeiten wir uns in Ursachen und Folgen von Dauerwohnraummangel, ökologische Übernutzung, Verkehrskollaps und Overtourismus unserer Heimatinsel ein.
Sylt darf nicht länger eine Goldgrube für andere sein, nicht für Kapitalanleger, die in Sylter Betongold investieren, und schon gar nicht für das Land Schleswig Holstein oder den Bund selbst ( Grunderwerbssteuer und Erbschaftssteuer sind nur zwei Aspekte), beide profitieren auf Kosten der Insulaner. Auf Sylt merken wir leider kaum etwas von Grünen Werten und Klima rettenden Schwerpunkten. Obwohl die Landesplanung mit ihrer Raumordnung schon Anfang des Jahrtausends beschlossen hatte, dass es auf den Inseln keinen weiteren Ausbau der touristischen Kapazitäten geben soll, werden trotzdem seitdem neue Großprojekte massiv vorangetrieben und sogar durch Zielabweichungsverfahren unterstützt! (Beispiel: Dünenpark in List und beim Lanserhof wurde eine ganze Düne im Naturschutzgebiet für ein Luxus-Hotel ausgehöhlt.) Ein Insulares Verkehrskonzept gibt es nicht, obwohl allein im Norden der Insel in den kommenden Jahren 900-1000 neue, überwiegend touristische und Zweitwohneinheiten entstehen.

Lieber Robert Habeck, für viele Probleme gibt es heute keine einfachen Lösungen. Wir haben verstanden, dass die Sylter Problem oftmals weder von den Kommunen –die auf der Insel weniger miteinander sondern eher gegeneinander arbeiten- noch vom Kreis, der personell unterbesetzt ist, gelöst werden können.
Dafür brauchen wir Unterstützung von Seiten der Landes- oder sogar Bundespolitik. Sie werden zur nächsten Legislaturperiode in den Bundestag einziehen. In Ihrer Bewerbungsrede um ein Direktmandat sprachen Sie davon, dass Sie den Menschen verpflichtet sind und darauf achten wollen, dass die Gesetze dem Gemeinwohl dienen. Wir brauchen Ihre Hilfe, Ihre Erfahrung auf Landesebene und Ihren zukünftigen Einfluss auf Bundesebene, um unserer Heimatinsel eine Zukunftschance zu geben.

Konkrete Fragen, um deren Beantwortung wir Sie herzlich bitten:
Auf Sylt ist Jahrzehnte lang von der Politik versäumt worden, durch Planungshoheit den Dauerwohnraum zu schützen. Wo tatsächlich Nutzungsregeln bestehen, werden Sie vom Kreis nicht kontrolliert. Aus diesen Tatsachen sind auf Sylt Geschäftsmodelle in einer Grauzone entstanden, die hohe Renditen abwerfen und Dauerwohnraum vernichten. Kann die Bürgergemeinschaft einfordern oder einklagen, dass kommunale Politik das Instrument der Planungshoheiteinsetzen muss, um das Gemeinwohl zu schützen?

Wie kann der Kreis Nordfriesland in seiner Funktion als Baurechtsprechende Instanz zur Kontrolle der Bauordnung aktiviert, aufgefordert oder gezwungen werden?

Wie können die Gemeinden in SH umfangreichere Befugnisse bekommen, um in Gebieten mit Wohnraummangel besser und schneller auf die Vernichtung von Dauerwohnraum reagieren zu können. Könnte das „Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum“ (NZwEWG) aus Niedersachsenauch für Schleswig Holsteinein Vorbild sein?

Wie lässt sich die Umwandlung von Ferienwohnungen in Dauerwohnraum in Zukunft fördern, finanziell anreizen oder gesetzlich erleichtern?

Wer kann tatsächlich helfen, die desolate Bahnsituation, unter der seit Jahren mehr als 5000 Pendler leiden und die die Inselwirtschaft schädigt, entscheidend zu verbessern? Könnte langfristig eine insulare Bahngesellschaft die Lösung oder ein ernster Ansatz sein, um eine nötige Mobilitätswende einzuleiten, indem die Insel selber Einfluss auf die beförderten Mengen des Individualverkehrs nehmen könnte? Wer könnte Sylt beraten?

Seit einem Jahr fordern wir, mehr Bürgerbeteiligung oder die Einsetzung von Bürgerräten kreativ zu nutzen, um somit die Probleme der Insel endlich mit bürgerlichem Rückhalt anzugehen. Gibt es die Möglichkeit direkter finanzieller Förderung von „Direkter Demokratie“, um als Bügerinitiative einen ersten insularen Bürgerrat zu initiieren?

Häuser in der Nachbarschaft werden seit Jahren wegen unfassbar hohen Erbschaftsteuerforderungen seitens des Staates verkauft, da diese sich an den märchenhaft hohen Bodenrichtwerten orientieren, ohne mangelnde Liquidität der Familien oder Sanierungsintensität der Häuser zu berücksichtigen. Kann das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzentsprechend angepasst werden, damit wir Insulaner nicht durch einen Bodenrichtwert „reich gerechnet“ werden? Denkbar wäre eine Wertsteigerungsklausel, deren steuerliche Wirkung dann rückwirkend einsetzt, wenn Liquidität durch Verkauf des Ererbten wirklich einsetzt? Derzeit verlieren wir zur nächsten Generation durch übermäßig hohe Belastung der Erben das letzte insulare Eigentum!

Sehr geehrter Herr Habeck, danke, dass Sie sich mit uns für die Belange unserer Heimat einsetzen! Beleben Sie auf Bundes- und Landesebene die Anstrengungen für die Ziele der „Deutschen Inselresolution“ der Insel- und Halligkonferenz von 2018. Helfen Sie uns und vielen anderen touristischen Destinationen, damit die leider schon sprichwörtlichen „Sylter Verhältnisse“ sich nicht weiter ausbreiten.

Ihre Merret
Fotos: C. Lohmann

Jörnsson feat. BenniBoy: Der „Merret“-Sommersong geht raus in die Welt!

Das Sylter Bürgernetzwerk „Merret reicht’s“ feiert am 9. Juli seinen 1. Geburtstag
MIT EINEM NEUEN SONG!

Wie es sich für diesen Anlass gehört – gibt’s zum Festtag nicht nur Friesentorte, sondern auch ein Ständchen – als Geschenk an die Insel und an alle, die dieses Lied genauso mögen wie wir.

Aus Liebe zu Sylt!“ heißt der Song – passend zum Leitsatz des Bürgernetzwerkes. Ernste Insel-Themen werden für diesen Song in fluffig-groovige Sommer-Rhythmen gebettet. Der perfekte Sound zum Sylter Sommer – süß wie ein Eis am Strand, frisch wie ein Bad in den Wellen, bunt wie der Himmel nach einem Sonnenuntergang – und inhaltlich kritisch, wie es sich für Sylt im Sommer 2021 gehört.

Ein Song mit eindeutiger Hitqualität, für den viele kreative Locals gemeinsame Sache gemacht haben:

*Die Sylter Musiker-und-Krimi Legende „Jörnsson“, alias Jörn Ingwersen, hat wie schon beim Biike-Lied im Februar den Song komponiert, arrangiert, sämtliche Instrumente eingespielt und den Film geschnitten.

*Nachwuchs-Rapper BennyBoy alias Ben Kliewer ist gesanglich mit von der Partie.

*20 Sylter*innen aller Generationen probten in der Reithalle der Volquardsens in Braderup, sind morgens um 5 Uhr für den Film-Dreh an der Westerländer „Himmelsleiter“ erschienen und haben sich mit viel Selbstironie dem Moment hingegeben. Allein dafür hat sich alles gelohnt.

*Noch zu erwähnen ist der Einsatz von Kameramann Karl-Heinz Rüther, unserem Drohnenpiloten, den Security Jungs und der Morsumerin Karin Börnsen in friesischer Tracht, die wieder die Rolle der „Merret“ würdevoll mit Leben gefüllt hat.

Sanft die Hand über das ganze Projekt gehalten haben Birte Wieda und Imke Wein.

So, jetzt, genug der Worte. Und Merret’s Sommersong hören, fühlen und liken!

oder
Youtube Video anschauen: https://youtu.be/9SfRhaxeU-4*

 

„Es reicht!“ – „Wer gibt uns eine Stimme?“- 1 Jahr Merret reicht´s

Vor einem Jahr machte Birte Wieda ihrem Herzen Luft. Das hatte Konsequenzen.

Birte Wieda

Ihr Leserbrief in der Sylter Rundschau – Nachrichten für die Insel Sylt führte zur Gründung des Bürgernetzwerks. Seitdem ist viel passiert.

Es war nur ein Leserbrief, aber der hatte es in sich. Vor einem Jahr, am 15. Juni 2020, machte die Keitumer Goldschmiedin Birte Wieda ihrem Herzen Luft, indem sie ihre Enttäuschung über einen Besuch des Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf der Insel Sylt in scharfe Worte fasste.

Birte Wieda kritisierte, dass der Regierungschef bei diesem ersten Besuch nach dreijähriger Amtszeit kein Ohr für die Bevölkerung hatte, sondern sich ausschließlich die Klagen einer „durch nichts legitimierten Abstimmungsrunde“ aus Wirtschaft, Marketing und ein paar Bürgermeistern anhörte, die nach zwölf Wochen Lockdown finanziellen Ausgleich forderte. Das brachte Birte Wieda auf die Palme, sie fühlte sich und ihr Umfeld nicht vertreten.
„Jetzt wissen wir Dank Corona wieder, was Ruhe ist, wie Stille Wunderbares in uns bewirkt und wie bezaubernd Leere sein kann“, schrieb sie damals. „Ich und viele andere wollen nicht mehr zu dem „Übervollen“ und zu dem „Zuviel“ zurück. Wir wollen es nicht für uns und nicht für unsere Gäste und Kunden!“
Birte Wieda forderte, endlich umzusteuern und das Wohl der Sylter Bevölkerung politisch wieder ernsthaft in den Blick zu nehmen. „Wer gibt uns überhaupt noch eine Stimme?“ fragte sie damals.
Diese Stimme ist mittlerweile sehr laut geworden. „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“ hat sich als Bürgernetzwerk auf der Insel etabliert. Ein Jahr nach diesem Leserbrief zieht Birte Wieda Bilanz.
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INTERVIEW
Frage: Der Leserbrief damals hatte es in sich und gleich darauf enorm viele Reaktionen ausgelöst. Was hat Sie damals so in Rage gebracht, dass das raus musste?

Wieda: Der Besuch des Ministerpräsidenten bei einer reinen Lobbyrunde, die auf Sylt – zunehmend an der Kommunalpolitik vorbei – den Kurs regiert. Wenn Wirtschaft und Tourismusmarketing ihre Standpunkte vertreten, kommt das Gemeinwohl der Bürger und die Natur oft nicht vor. Und genau so war es auch dieses Mal. Genauso haben es viele andere offensichtlich auch empfunden. Genauso läuft es seit Jahren auf Sylt. Vorher hatten wir im ersten Lockdown zum ersten Mal wieder umfänglich erfahren, was das Leben überhaupt lebenswert macht: Gemeinschaft und Natur. Und dann kam der Ministerpräsident und hörte sich das Gejammer der einschlägigen Wirtschaft an, die während Corona keine Geschäfte machen konnte. Dabei hatten wir alle gemeinsam Einbußen und Unsicherheit erfahren, aber auch einiges an Erkenntnis gewonnen.
Das hat mich wütend und sprachlos gemacht. Das entsprach überhaupt nicht meiner Wahrnehmung der Sylter Situation zu dem Zeitpunkt. Und auch nicht der jetzigen im Übrigen.
+++
Frage: Wie ging es dann weiter?

Wieda: Es gab unglaublich viel zustimmende Resonanz. Ich wurde geradezu überschüttet. Von Syltern, von Syltliebhabern, von Gästen. Weitere Leserbriefe, Telefonanrufe, Blumen, Besuche in meiner Werkstatt, viele Gespräche und dann Pläne. Ich habe sechs Wochen gewartet und jeden notiert, der sich gemeldet hatte. Als es nach den Wochen immer noch nicht aufhörte, habe ich mit einigen anderen beschlossen, dass dies ein Geschenk des Widerstandes ist und eine Chance auf Gestaltung einer verantwortungsvolleren Zukunft, das angenommen und entwickelt werden muss.
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Frage: Ein Jahr später, was haben Sie erreicht?

Wieda: Öffentlichkeit, Gemeinschaft, Aufmerksamkeit und Bewusstsein für unsere Not in allem Luxus. Es gibt ein aktives Bürgernetzwerk. Es gibt engagierte Mitstreiter und Mitstreiterinnen in verschiedenen Arbeitsgruppen, die sich um Verkehr, Tourismus, Bauwirtschaft und Bürgerbeteiligung kümmern. Es gibt Verbündete an Nord- und Ostsee. Es gibt einen Dialog bis hinein in die Ministerien und in den Landtag. Es gibt Offenheit und Neugierde. Und es gibt viel Unterstützung durch die Presse. Auch bundesweit. Aber es gibt auch Nackenschläge und üble Nachrede. Viel Feind, viel Ehr.
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Frage: „Merret reicht’s“ ist nicht die erste Bürgerinitiative auf der Insel, die sich mit den Auswüchsen des Tourismus und der Bauwirtschaft beschäftigt, was machen Sie anders?

Wieda: Anders sind heute vor allem die Möglichkeiten, Öffentlichkeit zu schaffen. Neue Medien schaffen Unabhängigkeit von Presseveröffentlichungen. Facebook und das Internet können gezielt zur Kommunikation und Information beitragen, so dass Gäste, Politik und Insulaner gleichermaßen auf den Stand gebracht werden.
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Frage: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit jetzt von der Sylter Kommunalpolitik, die Sie auch sehr gut kennen, weil Sie lange dort mitgearbeitet haben?

Wieda: Wir „Merrets“ können viel freier denken, uns überparteilich vernetzen, informieren und handeln. Überallhin Allianzen schmieden und unkonventioneller sein. Auch ein bisschen unberechenbarer sein.
Wir sind eine Art APO, außerparlamentarische Opposition. Ich möchte dabei betonen, dass wir nicht unlegitimiert sind! Das wird ja immer so gern gegen „Merret reicht’s“ ins Feld geführt. Wir sind die Wähler und Wählerinnen! Um uns geht es doch. Wir sind die, die sich – unzufrieden mit den Ergebnissen der Kommunalpolitik – in großer Zahl und überparteilich und gesamtinsular zusammentun. Gesamtinsular ist hier das Stichwort. Im Gegensatz zum kommunalpolitischen Gegeneinander von fünf Inselgemeinden, aber auch sich verselbständigenden Strukturen hier auf Sylt, behalten wir die Insel als Ganzes im Blick. Die Angesprochenen sind gut beraten, schon genau hinzuhören.
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Frage: Nach einem Jahr Initialzündung: gibt es Erkenntnisse, die Sie vorher nicht erwartet hatten?

Wieda: Ja, wie von allen guten Geistern wir Sylter Einwohner mit unseren Bedürfnissen derzeit im Gerangel um Geld, Macht und Interessen wirklich verlassen sind! Ich suche nach Unterstützung in der Politik auf Machtebene!!! Auf der kommunalen Ebene, aber auch auf Kreis- und Landesebene. Und wir müssen als Sylter endlich ein neues „WIR“ schaffen, wenn wir nicht zur reinen Folklore schrumpfen wollen.
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Frage: Was hat Sie am meisten frustriert?

Wieda: Das „back to normal“ im Moment… Niemand, der mit mir zurzeit das Gespräch sucht, möchte in das touristische Hamsterrad zurück, in dem wir vor Corona so viele Jahrzehnte drinsteckten. Die Einheimischen nicht und die Gäste auch nicht. Selbst die „Offiziellen Sylter“ aus Wirtschaft, Politik und Tourismus geben öffentlich zu Protokoll: wir müssen auf Sylt vieles ändern. Aber den Worten folgen nicht genügend Taten.
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Frage: Was hat sie am meisten gefreut?

Wieda: Dass die wirklich zugewandten und erfreuten politischen Kräfte, die schon lange in der Opposition unsere Themen auf Ihrer Agenda haben, sich nun für den Rückenwind bedanken und uns im Netzwerk natürlich hilfreich sind! Die vielen neuen Kontakte!
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Frage: Wie kann man bei Ihnen mitmachen?

Wieda: Übers Internet Kontakt aufnehmen, zum Beispiel über www.merret-sylt.de. Jeder, der die Insel liebt, ist herzlich willkommen, sich einzubringen! Es gibt viel zu tun und tolle Leute kennenzulernen.
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Frage: Was sind Ihre nahen Ziele? Was sind Ihre fernen Ziele?

Wieda: Das nahe Ziel: uns noch mehr Gehör in Kiel zu verschafften zusammen mit den Leuten von den anderen Inseln und dem Festland, die auch sagen: Uns reicht`s! Das sind überraschend viele.
Als ferneres Ziel: wir wollen die politischen Mehrheiten bei der nächsten Kommunalwahl in zwei Jahren deutlich verändern. Wer nicht die Bevölkerung im Blick hat und weiter dazu beiträgt, dass die Insel ausgebeutet wird, muss das zu spüren bekommen. Da werden wir uns deutlich engagieren.
Wir wollen gesamtinsular Bürgerbeteiligung einführen. Im Sinne von definierten Bürgerräten.
Unser politisches System braucht Verbesserung und Weiterentwicklung, um die Vertreter des parlamentarischen Systems zu unterstützen. Es sind große Probleme zu lösen, schwere Entscheidungen zu treffen, um endlich machbare Auswege aus unserer insularen Krise zu schaffen. Sylter müssen gern, gut und ausreichend auf Ihrer Insel leben können – sonst wird die Tourismuswirtschaft nicht mehr funktionieren, wir stehen am Scheideweg. Es braucht in Zukunft Bekenntnisse zu Grenzen der Kapazität und zu Schwerpunkten.
Politik muss kreativer werden und dann auch Entscheidungen treffen, die von der Bevölkerung mitgetragen werden! Es fehlt an Kommunikation und Transparenz.
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Frage: Haben Sie eine Idee, warum die Gemeindevertreter/innen und Bürgermeister/innen die anstehenden Probleme nicht wirklich lösen?

Wieda: Die Probleme sind sehr komplex geworden, während man sie jahrelang nicht angepackt hat. Lösungen nicht mehr so leicht zu haben, wie noch vor 30 Jahren. Da hat man es nicht gewollt.
Die wenigsten wissen: vieles wird gar nicht mehr vor Ort entschieden, da sind die Sylter nur Steigbügelhalter für kapitale Mächte, die viel Druck aufbauen. Das ist manchmal wie im schlechten Krimi. Aber leider die Realität.
Machen wir uns nichts vor. Bevor die Verantwortlichen unbequeme Entscheidungen treffen, treffen sie lieber keine. Und schuld sind dann immer andere. Das funktioniert auch hier prima. Was wir auf Sylt erleben, findet als Blaupause auch in der großen Politik statt. Demokratie ist das nicht – da hat sich ein System verselbständigt.
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Frage: Sind die Probleme an den touristischen Hotspots dieses Landes überall dieselben?

Wieda: Ja – nur der Grad der Ausprägung und die spürbaren Folgen unterscheiden sich noch.
Im letzten Jahr habe ich von Venedig über Oberstdorf, Tölzer Land, Starnberger See, Hamburg Langeoog, Norderney, St. Peter Ording, Föhr und Amrum viel gehört. Ich wurde eingeladen, habe mich ausgetauscht.
Man muss leider konstatieren, dass die Sylter Fehlentwicklung schon sehr weit fortgeschritten ist.
Es ist schmerzhaft. Man zeigt mit dem Finger auf uns. Unsere Heimatinsel ist für alle das abschreckende Beispiel. So weit soll es im eigenen Gebiet nicht kommen, heißt es dann. Wenn ich mit Vertretern aus anderen Regionen rede, erinnern mich die Berichte und Einschätzungen an #Sylt vor 25 Jahren. Damals habe ich selbst in der Kommunalpolitik erlebt, dass man die möglichen planerischen und politischen Schritte zum Schutz der Gemeinschaft und Natur – also dem Lebensraum Sylt – schon damals schlicht nicht treffen wollte. Augen zu. Nur keinen Ärger oder lange Diskussionen. Und jetzt müssen wir mit diesen Folgen umgehen.
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Frage: Macht es Ihnen noch Spaß, auf der Insel zu leben?

Wieda: Wie die Menschen im Moment ganz generell mit unserer Heimatinsel umgehen, überschreitet meine Schmerzgrenze definitiv. Es tut mir weh.
Die Bautätigkeit ist ausufernd und zerstörerisch. Und dass ausgerechnet Bund und Land am Investitionsstandort Sylt und damit an unserer Misere noch kräftig mitverdienen, das ist deprimierend. Aber ich habe kein anderes Zuhause. Ich liebe diese Insel. Ich verdanke ihr viel und habe das Gefühl, ihr mein Engagement zu ihrem Erhalt zu schulden.
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Wenn aber das Dorf, das mich großgezogen hat, zunehmend kernsaniert, totalunterkellert und überpflegt leer steht, und meine neuen Nachbarn bei ihrer seltenen Anwesenheit mit dem Porsche oder ihrer Harley Davidson zum Biosupermarkt fahren, dann fühle ich mich fremd und möchte am liebsten weg.
Dieses Gefühl hat nichts mit Neid zu tun, der einem ja gern mal unterstellt wird. Es ist mehr die Trauer um die Abwesenheit von normalem Alltag in lebendiger Nachbarschaft.
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Frage: Was möchten Sie der Welt zurufen?

Wieda: Wir geben unser Zuhause nicht kampflos auf! Wir müssen reden und Entscheidungen treffen!