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Rückenwind: Behörden bestätigen Merret´s Kritik an Bebauungsplanung der Gemeinde Sylt

Manchmal gibt es Abende, an denen spürbar wird, dass sich auf Sylt der Wind dreht…
so ein Abend war die Bauausschusssitzung am Montag 10.11.2025. Die Mitglieder mussten unter Anwesenheit von Kreisbaudirektor Burghard Jansen die erheblichen Einwände gegenüber dem B-Plan 28 Änderungsentwurf für das Wohngebiet in Westerland zur Kenntnis nehmen. Der Planentwurf war zuvor auch schon von der Landesplanung/Kiel in ähnlicher Weise klar angemahnt worden – alle Punkte unterstützen, die ausgearbeiteten Punkte unseres Bürgernetzwerkes. So kam manch ein Mitglied der Mehrheitsfraktionen langsam ins Grübeln.

Hier der ganze Abend als Youtube Video

Ein weiterer Abend war das „Forum Sylt“, von den Sylter Unternehmern am Dienstag 11.11.2025 in Wenningstedt. Mehr als 250 Menschen füllten den Saal – viele von ihnen hätten dem Bürgernetzwerk unter anderen Umständen vermutlich nie zugehört. Doch wir waren diesmal zu einem Gastvortrag eingeladen, der von birte ausgeführt wurde und gerade deshalb war dieser Abend so wertvoll.
Ein starker Auftritt für unser gemeinsames Anliegen.
Wir hatten die Chance, unser gesellschaftliches Leitbild und unsere Analyse der Sylter Entwicklung aus den letzten fünf Jahren vor einem großen Publikum klarzustellen – und wir haben diese Chance genutzt.
Der Vortrag von Birte Wieda stellte deutlich heraus, warum Sylt in eine Funktionskrise geraten ist, welche Interessen lange Zeit im Vordergrund standen und warum es jetzt Mut, Klarheit und langfristige Verantwortung braucht, um den Lebensraum zu schützen, der uns allen am Herzen liegt.
Die Reaktionen im Saal waren aufmerksam, offen und vielfach unterstützend. Viele Besucherinnen und Besucher kamen im Anschluss auf Birte Wieda zu – mit Fragen, Zustimmung oder schlicht Dank dafür, dass endlich jemand ausspricht, was so viele seit Jahren empfinden.

Drei gute Nachrichten – und eine schwierige

Wie im Vortrag dargestellt, gab es drei zentrale positive Botschaften:
– Es gibt genug Wohnraum – er wird nur falsch genutzt.
Der Missbrauch von Ferienwohnungen und die jahrelange Vernachlässigung der Bauleitplanung wurden klar angesprochen.
– Wir können die Nutzung noch ordnen – jetzt!
Das BHK-Konzept, der Druck von Kreis und Land sowie neue Rahmenpläne schaffen tatsächliche Handlungsmöglichkeiten.
– Der Tourismus ist nicht in Gefahr.
Sylt hat mehr als genug Kapazität – sogar mit Begrenzungen bleibt die Insel wirtschaftlich stark.

Aber wir haben auch deutlich gesagt, wo es kritisch ist: „Realpolitik Sylt 2025″
Die Gefahr, dass bei dem Versuch, illegale Ferienwohnungen nachträglich zu legalisieren, Dauerwohnräume geopfert wird und in dem Zuge noch mehr Ferienwohnungen entstehen, ist real. Beispielhaft steht dafür der Bebauungsplan 28 im Norden Westerlands – ein Thema, das uns weiter beschäftigen wird!

Die Presse berichtete – und bestätigt die Relevanz
Die Sylter Rundschau berichteten ausführlich über die Veranstaltung und dass unser Auftreten am Auftakt des Abends, den Blick auf „genug Wohnraum, der jetzt durch Bauplanungsrecht strukturiert werden kann und muss “ wieder in die öffentliche Diskussion brachte.

Bereits im Vorfeld wurde durch eine Gegenüberstellung der Sichtweisen von Susanne Matthiessen und Ole König auf die „Sylter Zukunft“ ein erster Aufschlag zu den grundlegend unterschiedlichen Lösungsansätzen von Veranstalter und Bürgernetzwerkes als Gast des Abends, gesetzt.

Was dieser Abend für uns bedeutet
Wir haben gezeigt:
– Wir bringen Fakten und Verantwortung zusammen.
– Wir sprechen für diejenigen, die in politischen Debatten selten gehört werden.
– Wir stehen für ein Gesellschaftsmodell, das Menschen, Lebensraum und langfristige Tragfähigkeit ins Zentrum stellt.

Wie es jetzt weitergeht
Nächste Bauausschusssitzung am Montag, den 8.12. 19 Uhr im Rathaus – bis dahin wird erwartet, dass die 167 Stellungnahmen aus der Bevölkerung zum B-Planentwurf ausgewertet und abgewogen vorliegen. Die Verwaltung wird dann dazu informieren. MAN SIEHT SICH…….

Auch in den Kleingemeinden wird es wichtig sein, die Arbeit der Bauausschüsse aufmerksam zu verfolgen!!!!
Hier ein HANDOUT mit dem die Zusammenarbeit zwischen Sylter Unternehmer Verein und Bürgernetzwerk morgen beginnen könnte…. ( übergeben am 11.11.)

Wir müssen weiter reden – und weiter fordern.

Wir müssen präsent bleiben, Missstände offen ansprechen und Alternativen aufzeigen.
Wir müssen die Stimme all jener stärken, die Sylt als Lebensraum für viele erhalten wollen – nicht als Investitionsstandort für wenige.
Dafür brauchen wir Euch. Eure Stimme, Eure Präsenz, Eure Bereitschaft, Haltung zu zeigen.
Die Abende im Bauausschuss und im Wenningstedter Kursaal haben uns Rückenwind gegeben.
Lasst ihn uns nutzen.

Trotz vieler Einsprüche noch keine Einsicht im Ausschuss

162 x Einspruch gegen den B-Plan 28. – BRAVO.

Der Bauausschuss will trotzdem mit dem Kopf durch die Wand: CDU und SWG halten mit 7 Stimmen am Entwurf zum B-Plan 28 fest; SPD, Grüne und SSW stimmten dagegen, der Vertreter der „Insulaner“, enthielt sich. Die finale Entscheidung soll im Oktober 2025 in der Gemeindevertretung fallen. 

Merrets Kommentar:

Worum es in der Sache geht, ist klar – und größer als ein einzelnes Plangebiet: Der B-Plan 28 würde in einem kleinen Westerländer Wohngebiet Ferienwohnnutzung massiv ausweiten. Die jetzt vorliegende Fassung ermöglicht laut Sitzungsvorlage rund 70 zusätzliche Ferienwohnungen. Hinzu kommen Regelungen wie Keller- und Spitzbodennutzung als Aufenthaltsräume sowie bis zu drei Wohneinheiten pro Adresse (eine vierte, wenn eine davon Dauerwohnung ist). Das ist faktisch eine Abkehr vom Vorrang des Dauerwohnens und ignoriert die Beschlüsse zu Beherbergungs- und Wohnraumentwicklungskonzept.

Besonders problematisch ist der Signalcharakter: Der B-Plan 28 wird – ob gewollt oder nicht – zur Blaupause für die gesamte Insel. Die Politik schafft Fakten für die Zukunft der Insel, die sich nicht mehr zurückdrehen lassen. Dabei wird vergessen: Politik ist für die Menschen da – und nicht umgekehrt.

Der Ablauf in diesem Vorhaben verstärkt alle Zweifel: Der Graben zwischen fachlicher Linie und politischer Entscheidung wird immer tiefer.

Wichtig ist heute jedoch vor allem eines: 162 Stellungnahmen sind fristgerecht eingereicht worden. Das ist – für ein einzelnes Plangebiet – ein außergewöhnlich hoher Wert. Er zeigt Handlungsdruck, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung. Wer jetzt so tut, als sei das nur „Begleitmusik“, verkennt, dass hier Menschen ihre Lebenswirklichkeit verteidigen: Nachbarschaft, Mietwohnungen, Infrastruktur, kurze Wege für Kinder, Pflege, Arbeit – das Fundament einer Inselgesellschaft.

Wir danken allen, die geschrieben haben: präzise, sachlich, mit Ortskenntnis. Diese Eingaben sind keine Störung des Verfahrens, sondern sein demokratischer Kern. Verwaltung und Gremien sind nun gefordert, jede Stellungnahme ernsthaft zu prüfen und abzuwägen – nicht als Pflichtübung, sondern als Auftrag. 

„Merret reicht’s“ steht für eine einfache Linie: Dauerwohnen sichern, Tourismus rechtssicher begrenzen. Das kulturelle und nachbarschaftliche Leben erhalten! Wer auf Sylt lebt, arbeitet, Kinder großzieht oder pflegt, muss in den Plänen zuerst vorkommen. Die 162 Eingaben sagen genau das – laut und legitim.

Im Oktober wird entschieden. Nicht über abstrakte Strukturen, sondern über unsere Lebensrealität. Politik ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Und nicht der Profitmaximierung. 

Vielen Dank auch für die vielen Reaktionen und Kommentare, die uns über Social Media erreicht haben.

 

Nur Handeln kann helfen- Teil 2: der Regionalplan

Liebe Merrets,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer für den Erhalt der Inseln und Halligen Nordfrieslands als Lebensraum!

Es gibt seit fünf Jahren eine freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bürgerinitiative von Sylt, Föhr, Amrum, Sankt Peter Ording und Büsum.
(https://westkuestenallianz-sh.org).

Aufgrund der Gemeinsamkeit von Sorgen und Beobachtungen an unseren Standorten, haben wir uns 2020 zur „Westküstenallianz“ zusammengefunden und nun beschlossen, Euch alle zu informieren und zur aktiven Mithilfe aufzurufen!

Erst kürzlich baten wir um Eure Stellungnahme zum Sylter B-Plan 28. Nun geht es um die ganze Region Nordfriesland. Erneut wird dringend die Unterstützung jedes/jeder Einzelne/n von Euch gebraucht.

Darum geht es uns heute:
Das Land Schleswig-Holstein hat den 2. Entwurf der Neuaufstellung der Regionalpläne für die Planungsräume I, II und III veröffentlicht. Darin sind unsere Inseln und Halligen als touristische Schwerpunktregionen aber auch als Lebensräume für eine ansässige Bevölkerung aufgeführt.

Die Probleme, die bei dieser parallelen Nutzung unserer Heimatregion auftreten können, sind gut beschrieben, wir halten es allerdings für äußerst notwendig, noch einige Vorschläge zur Verbesserung einzubringen.
Jeder/jede Bürger-in kann bis zum 08.August 2025 Stellungnahmen in schriftlicher oder elektronischer Form abgegeben. Zum Jahresende soll der Entwurf dann Gesetzeskraft erlangen. Auf diesen werden wir uns in Zukunft in Stellungnahmen und Forderungen vor Ort in unseren Kommunen berufen können.

Dieses Beteiligungsverfahren werden auch Touristiker und Wirtschaftsverbände, Investoren, Makler und ihre Lobby nutzen, um alles daran zu setzen, Inhalte zu ihren Gunsten zu verändern.
Deshalb ist es für uns dringend geboten, dass möglichst viele/alle von Euch eine Stellungnahme an die Landesregierung schicken, um deutlich zu machen, dass der 2.Entwurf der Neuaufstellung der Regionalpläne für unsere Regionen in jedem Fall deutlicher den Schutz des Dauerwohnraumes formuliert, damit wir weiterhin in lebendigen Gemeinschaften und guter Infrastruktur für unseren Alltag leben können.

Eure Stellungnahme in großer Zahl im Beteiligungsverfahren ist also wichtig. Wir haben dazu wieder ein Muster erstellt, das Ihr kopieren und einreichen könnt. Gerne könnt Ihr es natürlich auch selbst ergänzen und verändern!
Im Anhang liegt die Musterstellungnahme als word-Datei und als pdf-Formular-Datei.
Die Stellungnahme kann auf 3 verschiedenen Wegen übermittelt werden:

– Supereinfach und schnell wird es dem Bürger hier gemacht:
Geht auf: https://bolapla-sh.de/verfahren/c1d03bd1-17d6-4d0a-b485-bb264cb143fd/public/detail
und
– klicke links auf den roten Button „Reden Sie mit!“ Dann bist Du in der Maske, in der Du die Stellungnahme einfügen kannst.
– Kopiere den Text aus der word-Datei und fügen ihn in die Maske ein. (Anmerkung: Dateien und Bilder kann man nicht mitschicken)
– Unter „Ortsbezug“ kannst Du Nordfriesland anklicken.
– Fülle den Rest der Angaben für eine persönliche Stellungnahme aus und gib ggf.an, dass Du weiterhin informiert werden möchtest, dann weiter bis zum Einreichen der Stellungnahme.
Der Eingang wird Dir bestätigt und als Download zum Speichern angeboten.
oder:
Per E-Mail an regionalplanung@im.landsh.de
– Die pdf-Datei nutzen, im pdf-Formular schon Deine Adresse, das Datum und am Ende Deinen Namen direkt am PC nachtragen.(Schreibfelder sich im Dokument vorgesehen)
– Damit Deine Mail bei der Landesplanung richtig zugeordnet werden kann, sollte in der Betreffzeile stehen: 2. Entwurf der Neuaufstellung der Regionalpläne für die Planungsräume I, II und III
– Du kannst Deiner Mail noch die Bitte hinzufügen, dass Du informiert werden möchtest, wenn die Auswertung der Stellungnahme online verfügbar ist.
oder:
Per normaler Post an das Ministerium (word-Datei nutzen; oder pdf-Datei nutzen im Formular Deine Adresse, Datum und Unterschrift nachtragen)
Ministerium für Inneres, Kommunales, Wohnen und Sport des Landes Schleswig-Holstein, Abteilung Landesplanung, IV 62, Düsternbrooker Weg 92, 24105 Kiel

Herzlichen Dank für dein Engagement-du hilfst damit uns beim Durchsetzen deiner Anliegen,
Deine Merret

Musterbrief pdf: 2025 07 22 RP Musterstellungnahme_Standardbrief_Formular

Musterbrief word: 2025 07 21 RP Musterstellungnahme

„Einspruchsfrist nutzen!“ Bürgernetzwerk ruft zum Widerstand gegen B-Plan 28 auf

Jetzt Musterbriefe zur Stellungnahme hier downloaden und absenden!

Westerland
Mit der Veröffentlichung des Bebauungsplanentwurfs Nr. 28 durch die Gemeinde Sylt begann am 9. Juli 2025 eine vierwöchige Frist zur öffentlichen Auslegung. Die Bürgerinitiative „Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt“ appelliert an alle Interessierten, „dringend und sofort“ von ihrem Recht auf Stellungnahme Gebrauch zu machen.

„Dieser Bebauungsplan darf so nicht beschlossen werden“, so Birte Wieda, Gründerin der Initiative. „Er ermöglicht eine erhebliche Ausweitung der Ferienwohnnutzung in einem bislang von Dauerwohnungen geprägten Gebiet und widerspricht allen zuvor beschlossenen Konzepten der Gemeindevertretung.“
(Download: Entwurf B-Plan 28, Gemeinde Sylt )

Worum geht’s?
Es geht um die Verhinderung des B-Plans 28, wie er jetzt beschlossen werden soll. Es geht um eine der letzten funktionierenden Nachbarschaften in Westerland. Es geht um den Schutz von Dauerwohnraum, der mit dem Entwurf des neuen Bebauungsplans 28 im Norden von Westerland keine Überlebenschance mehr hat.

Wenn dieser Entwurf durchkommt, wie jetzt geplant, dann fallen alle Schranken, dann stehen dem ungebremsten Ferienwohnungsbau künftig alle Türen offen.

Die Einspruchs-Frist läuft vom 09.07. bis 11.08.: vier Wochen lang können nun kritische Stellungnahmen zu diesem Plan eingereicht werden. Und das nicht nur von Bürgern der Gemeinde Sylt, sondern von allen, denen eine lebendige Insel Sylt am Herzen liegt.

Was ist passiert?

Weil Sylt ein riesiges Problem mit ungenehmigten („illegalen“) Ferienwohnungen hat, muss die Politik nun endlich baurechtliche Voraussetzungen schaffen, die diesen Zustand beenden und eine nachträgliche Genehmigung ermöglichen. Dafür müssen Bebauungspläne umgeschrieben werden, damit die Vorgaben der Gemeinde zur tatsächlichen Nutzung passen. Was sich nun alles ändern soll, kann man exemplarisch an der Änderung des B-Plan 28 ablesen. Denn den ersten Schritt macht die Gemeinde Sylt nun ausgerechnet mit einem gültigen B-Plan, der einmal ein Wohngebiet sichern sollte und in dessen Gesamtbereich bisher bereits 10% genehmigte Ferienvermietung möglich war.
In diesem Gebiet westlich des Schulzentrums, das einmal überwiegend von Insulanern bewohnt wurde, sind in den letzten Jahren aber sehr viele Immobilien verkauft und in illegale Ferienwohnungen umgewandelt worden. Diese könnten nun mit der Änderung in legale Feriennutzung überführt werden, doch im gleichen Zuge käme das Recht für 70 weitere Ferienwohnungen im Gebiet hinzu, da die Vorgaben für den Erhalt von Dauerwohnungen aufgeweicht werden.
Bis zu 3 Einheiten pro Adresse sollen künftig möglich sein, sogar eine vierte Einheit darf auf eine einzige Adresse gebucht werden, sofern es eine Dauerwohnung ist. Um diese Ausnutzung zu ermöglichen, sollen künftig Spitzböden und Keller zu offiziellen Wohnräumen werden dürfen. Die Dauerwohnräume werden kleiner, die Anzahl der Ferienwohnungen wird mehr, die Verdichtung nimmt zu. Alles wird noch viel schlimmer, als wir im Vorfeld bereits befürchtet hatten.

Und was war ursprünglich einstimmig beschlossen und den Syltern versprochen worden? Was waren die erklärten Ziele der Kommunalpolitik?
Festgeschrieben im Wohnraumentwicklungskonzept 2015 und einstimmig beschlossen im Beherbergungskonzept 2021:
– Schutz des Dauerwohnraums, Schutz des Altbestands
– Keine neuen Ferienwohnungen
– Touristische Bettenbegrenzung
– Verkehrsberuhigung
– Fokus auf die Interessen der Wohnbevölkerung Verbesserung der Infrastruktur für Insulaner
– Qualitätstourismus statt Massentourismus

Dieser neue Bebauungsplan bricht mit all diesen Versprechungen und ruiniert die letzten, verbliebenen Quartiere, in denen Sylter noch ein halbwegs intaktes nachbarschaftliches Wohnumfeld hatten.
Um die illegalen Ferienwohnungen nachträglich genehmigen zu können, werden die legalen Dauerwohnungen geopfert. Das ist „Realpolitik Sylt 2025“.

Dieser B-Plan28 darf so nicht kommen! Das darf nicht geschehen. Deshalb brauchen wir jetzt jede Hand und jede Stimme, um durch Einwände und Stellungnahmen diesen Plan in dieser Form zu verhindern. Merret stellt Musterbriefe zur Verfügung, die bei der Gemeinde Sylt entweder per Post oder per email eingereicht werden können.
Downloads hier :
B-Plan 28 StellungnahmeMusterbrief als Word Doc
B-Plan 28 Stellungnahme Muster als pdf

B-Plan 28 ausführliche Stellungnahme Musterbrief 28 B-Plan als Word Doc
B-Plan 28 ausführliche Stellungnahme Muster PDF

B-Plan 28 Nachweise und Hintergrundinfos

Bis zum 11.August 2025 kann die Öffentlichkeit Stellungnahmen abgeben. Je mehr, je klarer, je entschiedener, umso besser. Im Bauausschuss Oktober/November wird dann über diese eingereichten Einwände und Stellungnahmen von Bürgern wie auch von Ministerien und Behörden weiter beraten.
Vielen Dank für eure aktive Hilfe,

Eure Merret

Dauerwohnraum auf Sylt schaffen! © Hans Jessel

Klasen klärt auf: Sylter Boom der Ferienwohnungen ist vorbei

„𝐒𝐲𝐥𝐭 𝐦𝐮𝐬𝐬 𝐝𝐞𝐫 𝐖𝐚𝐡𝐫𝐡𝐞𝐢𝐭 𝐢𝐧𝐬 𝐀𝐮𝐠𝐞 𝐬𝐞𝐡𝐞𝐧

Was passiert gerade auf dem Sylter Immobilienmarkt – und warum stehen hunderte Objekte zum Verkauf? 

Im exklusiven Merret-Interview spricht Investmentbanker und gebürtiger Sylter Kristian Klasen offen über die neue Realität auf der Insel: über geplatzte Renditehoffnungen, über Crowdinvesting-Projekte mit Risiken, über politische Versäumnisse – und darüber, warum Dauervermietung die einzige tragfähige Perspektive für Sylt sein könnte. Ein Gespräch, das deutlich macht: Wer die Zukunft gestalten will, muss zuerst die Gegenwart verstehen. Jetzt lesen und mitdiskutieren.

𝐙𝐞𝐡𝐧 𝐅𝐫𝐚𝐠𝐞𝐧 𝐚𝐧 𝐊𝐥𝐚𝐬𝐞𝐧

Kristian Klasen (64), ein Profi in Sachen Geldanlage, hat knapp dreißig Jahre in Frankfurt bei verschiedenen Banken gearbeitet, kennt das internationale wie auch das deutsche Geschäft. Sein Kontakt nach Sylt ist nie abgerissen. Im Gegenteil: Den Immobilienmarkt und die Tourismusentwicklung auf seiner Heimatinsel hat er stetig aufmerksam verfolgt und analysiert. Inzwischen ist Klasen nach Sylt zurückgekehrt und hat sich in Wenningstedt „zur Ruhe gesetzt“. Seine Expertise setzt er nun unter anderem als Vorsitzender des Finanzausschusses in der Gemeindevertretung ein – und auch hier, im Merret-Interview:

1. Über Jahrzehnte hieß es „Sylt ist ein sicherer Hafen“ für Vermögenswerte. Gilt das auch heute noch?

Nach der Finanzkrise 2007/2008 gingen die Zinsen auf Talfahrt. Aktien wurden unattraktiver. Sylt wurde auf einmal für Investoren interessant, die Vermögen langfristig parken wollten. Die Knappheit von Grundstücken heizte den Boom noch an. Das war tatsächlich ein „Safe Haven“. Die Rendite stand bei vielen nicht einmal im Vordergrund. Hauptsache ich verliere nichts und habe nebenbei noch ein schönes Objekt – mit Wertsteigerungspotential. Da konnte man nichts falsch machen.

2. Die Zeiten haben sich geändert. Noch nie innerhalb der letzten fünfzehn Jahre waren auf Sylt so viele Immobilien auf dem Markt – hunderte Häuser und Wohnungen finden sich allein bei Immoscout – was ist passiert?

Der „Schwarze Schwan“ traf die ganze Welt. In der Finanzwelt nennt man das „die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“. Zuerst kam Corona und löste auf Sylt einen geballten Nachfrageschub aus, den „Himmel auf Erden“. Und dann kamen kurz darauf gleich zwei weitere Hämmer – jetzt allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Ukraine-Krieg seit 2020 mit einsetzender zumindest deutschlandweiter Rezession – gepaart mit Kreisbaudirektor Jansen, der die klassischen Geschäftsmodelle in Frage stellt und damit wohl eine Marktbereinigung einleitet. Verkaufsgründe gibt es urplötzlich sehr viele: von erzwungener Auflösung eiserner Reserven des Mittelstandes bis zur ungenehmigten Ferienvermietung. Dazu die Verstopfung durch massenweise Neubauten aufgrund nicht erfüllter Marktprognosen und nicht zuletzt das Grundrauschen des auch auf Sylt einsetzenden Generationswechsels. Die Babyboomer trennen sich von ihrem Besitz.

3. Nach Ihrer Erfahrung: wann erreicht Sylt den Tiefpunkt der Marktpreise?

Positive Trends bei Vermögensklassen wie Aktien, Zinsen, Immobilien erkennt man meist erst langfristig. Die letzte Niedrigzinsphase dauerte etwas länger als 10 Jahre an. Schocks einerseits und langfristige Erholungsphasen andererseits lassen aus der Historie nichts Gutes für den Markt erwarten. Es hat 20 bis 30 Jahre gedauert, um auf das Rekordniveau der Sylter Immobilienpreise der Corona-Zeit zu kommen. Das jetzt erlebte Ausbluten könnte enden, sobald Deutschland aus der Rezession ist und die Konjunktur wieder besser läuft. Da müsste man nach Berlin schauen und hoffen. Ein Ukraine-Frieden könnte Wunder wirken – darauf hoffen offensichtlich viele Akteure hier.

4. Was ist davon zu halten, wenn die Sylter Rundschau immer wieder einseitig Marktanalysen einzelner Immobilienfirmen veröffentlicht, die alle immer von Aufwind sprechen?

Bodenpreise werden von den Gutachterausschüssen ermittelt und fortgeführt. Das sind gezahlte Preise, die wenig mit Angebotspreisen zu tun haben. Nur diese Statistik ist belastbar. Seriöse Analysen sollten sich auf Fakten stützen und nicht auf Wunschdenken der Angebotsseite.

5. Neuerdings werden auf Sylt Immobilienprojekte schon per Crowdsourcing finanziert, was bedeutet das?

Das ist sicherlich eine innovative Möglichkeit, selbst Kleinanlegern Zugang zum hiesigen Immobilienmarkt zu gewähren. Dabei investieren viele Anleger über eine Online-Plattform gemeinsam in ein Immobilienprojekt, wenn dem Initiator etwa Kredite oder Eigenkapital ungenügend zur Verfügung stehen. Hier gilt – wie bei allen nichtstandardisierten Anlageformen wie etwa bei geschlossenen Windparkfonds: Obacht und das Kleingedruckte lesen! Passen Rendite und Risiko zusammen? Wie hoch ist der mögliche Verlust?  Nicht zuletzt sollte ich die Risikotragfähigkeit meines Gesamtportfolios betrachten, um im Notfall auch den Totalverlust verkraften zu können. Auf Sylt war das bislang unbekannt. Mir zeigt sich hier die mittlerweile prekär anmutende Lage der Finanzmittelbeschaffung beziehungsweise der Kapitaldecke einiger Bauträger.

6. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist auf der Insel mittlerweile ein soziales Problem. Gibt es aus Vermietersicht wirtschaftlich tragfähige Modelle, die die Umwandlung von Ferienimmobilien in Wohnimmobilien attraktiv machen? 


Das Wunschdenken an die „eierlegenden Wollmilchsau“ war gestern: Ferienvermietung mit gleichzeitiger Eigennutzung und zusätzlicher Perspektive auf Wertsteigerung kennen nur noch Märchenerzähler – oder sehr wenige Menschen, die es sich wirklich leisten können. Der Aufwand bei der Ferienvermietung mit mindestens 20% Provision für den Vermittler, ständig neues Mobiliar, Internet, TV-Gebühren, Gärtner, pausenlos ansprechbar sein… dazu mitunter noch Zweitwohnungssteuer, das rechnet sich kaum mehr. Jedenfalls ist der Unterschied zur Festvermietung geringer als man denkt. Man muss das mal über zwölf Monate überschlagen, zumal immer weniger Objekte wirklich gut ausgelastet sind. Das Überangebot drückt erheblich auf die Margen. Die Euphorie des Geldverdienens mit Ferienimmobilien ist auf Sylt finanzieller Nüchternheit gewichen. 

7. Welche Rolle spielt bei dieser Entwicklung die unsichere Genehmigungslage, Stichwort „illegale Ferienwohnungen“?

Dieser Schock kam mit Verzögerung. Seit 2023 hat sich der Sylter Immobilienmarkt zunächst langsam, jedoch zunehmend dynamisch komplett verändert. Inzwischen sind die einschlägigen Informationen zu jedem in der Republik verstreuten Eigentümer durchgedrungen. B-Plan, Baugenehmigung, Baujahr… alles das spielt urplötzlich eine Rolle. Die Verunsicherung ist riesengroß und sollte möglichst bald verschwinden. Viele versuchen die Reißleine zu ziehen – mit offensichtlich sehr optimistischen Preisvorstellungen, die – so wie ich denke – vielfach langwierig und schmerzhaft enttäuscht werden könnten. Da täte eine realistische Beratung mit einer Portion Common Sense gut.  Nach meinem Eindruck wird an zu vielen Stellen versucht, künstlich ein Level aufrechtzuerhalten – in einer „übersinnlichen“ Einigkeit der Marktakteure. Keiner will als Nestbeschmutzer gelten und den Markt anerkennen wie er ist. Lieber übernimmt man das Mandat mit viel Schmerz und schlechtem Gewissen, statt Expectation Management zu betreiben, also allen Beteiligten realistisch aufzuzeigen, was Sache ist. Man muss der Wahrheit ins Auge sehen.

Wir brauchen Tourismus. Davon hängen wir seit mehr als 100 Jahren ab. In den Gründerjahren gab es zum ersten Mal einen echten Boom, gefüttert vom Aufschwung des wilhelminischen Zeitalters, von dem schon viele unserer Urahnen und zugereiste Glücksritter profitierten. Personalprobleme waren unbekannt. Die gab es nicht einmal nach dem deutschen Wirtschaftswunder. Alles okay bis in die 2010er Jahre hinein. Aber nun erleben wir die Auswirkungen der Marktübertreibung. Das Overshooting bedingt letzten Endes eine Neupositionierung und ein Umdenken.

Es wird etwas länger dauern, bis es in die Köpfe der Menschen geht, dass die Ferienvermietung nicht die Zukunft der Insel sein wird. Seien wir ehrlich. Was bleibt uns denn? Dauervermietung bleibt die einzig realistische Alternative. Es gibt – wie bereits immer schon – Pensionen, Hotels und nichtzuletzt genehmigte Ferienwohnungen, deren Zukunft zunehmend und jetzt auch nachhaltig von der Planung unserer Gemeinden abhängt. Warum soll die Ferienvermietung nach Abzug aller Kosten denn renditestärker als Dauervermietung sein? Die Zeit der Überrendite ohne jedes Risiko ist endgültig vorbei.

 

8. Und welche Rolle spielt dabei die Kommunalpolitik, die z.B. mit dem B-Plan 28 in klassischen Wohngebieten eher mehr Ferienwohnungsbau möglich macht als weniger?

In Wenningstedt arbeiten wir an einem Ortsentwicklungskonzept, welches das gesamte Gemeindegebiet umfasst. Die Blaupause des Gemeinde Sylter B-Plan 28 könnte theoretisch zwar in einem unserer mehr als zehn B-Plan-Gebieten Anwendung finden. Wir analysieren jedoch genau die aktuelle Bestandsituation für jedes Gebiet und versuchen zu gestalten, wie und wo Dauer-, Zweit und Ferienwohnen miteinander in Einklang zu bringen sind. Wir wollen weder Ghettos noch verwaiste Landschaften. Klar ist, dass wir es nicht jedem werden recht machen können. Aber wir werden die Probleme lösen.

𝟗. 𝐃𝐢𝐞 𝐊𝐫𝐞𝐢𝐬𝐯𝐞𝐫𝐰𝐚𝐥𝐭𝐮𝐧𝐠 𝐡𝐚𝐭 𝐧𝐮𝐧 𝐛𝐞𝐢 ä𝐥𝐭𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐎𝐛𝐣𝐞𝐤𝐭𝐞𝐧 (𝐚𝐮𝐬 𝐝𝐞𝐧 𝟏𝟗𝟔𝟎𝐞𝐫 𝐮𝐧𝐝 𝟏𝟗𝟕𝟎𝐞𝐫 𝐉𝐚𝐡𝐫𝐞𝐧) 𝐞𝐢𝐧 𝐰𝐞𝐧𝐢𝐠 𝐝𝐞𝐧 𝐃𝐚𝐦𝐩𝐟 𝐫𝐚𝐮𝐬𝐠𝐞𝐧𝐨𝐦𝐦𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐝𝐨𝐫𝐭 𝐁𝐞𝐬𝐭𝐚𝐧𝐝𝐬𝐬𝐜𝐡𝐮𝐭𝐳 𝐠𝐚𝐫𝐚𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐭, 𝐰𝐢𝐞 𝐯𝐢𝐞𝐥𝐞 𝐄𝐢𝐠𝐞𝐧𝐭ü𝐦𝐞𝐫 𝐤ö𝐧𝐧𝐞𝐧 𝐝𝐚 ü𝐛𝐞𝐫𝐡𝐚𝐮𝐩𝐭 𝐚𝐮𝐟𝐚𝐭𝐦𝐞𝐧?

Klasen: Der Kreis schuldet noch eine genaue Handhabung der Umsetzung. B-Pläne wurden zumindest in Wenningstedt-Braderup erst ab den 80er Jahren etabliert. Die Baunutzungsverordnung sieht „Ferienwohnen“ allerdings erst seit 1977 überhaupt vor.
Insofern muss genau geschaut werden, welche Objekte tatsächlich den Schutz genießen – oder ob es sich nur um einen Papiertiger handelt. Andererseits hat jeder zumindest einmal eine Orientierungshilfe. Mittelfristig werden jedoch in jedem Falle Objekte über die Klippe gehen, die den Brandschutzvorgaben nicht entsprechen und künftig z.B. nur noch zwei statt vier Personen beherbergen können.

10. Jede Krise birgt auch eine Chance – welche ist unsere?

Als Investmentfachmann sehe ich ein großes Potenzial, und ich wundere mich ernsthaft, dass das bislang noch niemand auf dem Radar hat: Politik und Interessenvertreter sollten den Fokus nicht wie bislang nur in Richtung Tourismus sondern auch hin zur Vermarktung unserer Insel als Lebensmittelpunkt richten. Das ist pures Gold. Neue Insulaner für die Insel! Die bringen Geld, Struktur und Kapazitäten mit. Die Welt hat sich in den letzten 20 Jahren dramatisch verändert. Internet, Krisen, Langlebigkeit… Alles vereinigt „Sylt“ als optimales neues Zuhause. Sylt hat für Zuzügler enorm viel zu bieten: viele spannende Menschen, vier Golfplätze, ein interessantes Kulturangebot, atemberaubende Natur, großartige Immobilien.  Warum sollten wir nicht den dauerhaften Zuzug bewerben, anstatt ständig mit neuen Flugrouten auf die Insel aufmerksam zu machen, damit teure Leute für zwei Nächte einen Abstecher nach Sylt machen können? Demoskopie und Wohlstandswachstum sprechen für ein Leben auf dieser Insel. Neue Freunde und ein Leben „ab vom Schuss – aber mittendrin“ ist attraktiv für jedes Alter. Homeoffice geht überall.

In der Praxis hieße das für mich: „Sylt Marketing“ mit zusätzlicher Zielsetzung, Abkehr vom unseriösen „Sylter Maß“ bei der Wohnflächenangabe und bitte gelebter Realismus bei Immobilienvermarktung in Richtung Dauervermietung.  Fassadenpreise müssen ein Ende haben. Wir machen uns selbst den Ruf kaputt. Dazu schnelle Umsetzung anzupassender B-Pläne im Rahmen Ortsentwicklung.

Was ist Ihr Résumé:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“. So zumindest scheinen alle relevanten Entscheidungsträger zu denken. Diese Denkweise ist derart dominant, dass sich keiner aus dem Pulk der Lemminge trennen will, um mit der langjährig erlebten Praxis zu brechen. Wie lange noch müssen wir damit leben?

Aber: Wie schon Margaret Thatcher 1988 verstand: „You can´t buck the Market!“* Dem kann sich keiner entziehen. 

*Gegen den Markt kommt man nicht an. 

 

Nach Sticheleien kommt nun die Stichtagsregelung zur Nutzung von Ferienwohnungen

📢 Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Stichtagsregelung bringt Klarheit bei Ferienwohnungen 

Was ist passiert?
Nach jahrelanger Unsicherheit gibt es nun eine entscheidende Wende im Streit um die vielen ungenehmigten Ferienwohnungen auf Sylt und im gesamten Kreis Nordfriesland. Der Kreis hat gemeinsam mit dem Innenministerium Schleswig-Holstein eine rechtliche Auslegung vorgelegt, die es Besitzern alter Ferienwohnungen ermöglicht, diese ohne zusätzliche Genehmigung weiterhin legal zu betreiben – unter bestimmten Voraussetzungen.

📜 Die Details laut Kreis Nordfriesland:

  • Für Wohnungen, die vor dem 1. August 1962 (bzw. vor dem 1. Januar 1977 in unbeplanten Innenbereichen) genehmigt wurden und nachweislich bereits damals zu Ferienzwecken genutzt wurden, ist keine Umnutzungsgenehmigung mehr erforderlich.
  • Die Nutzung gilt hier als Teil der ursprünglichen Wohnnutzung.
  • Diese Lösung betrifft vor allem alte Immobilien, oft noch im Besitz Sylter Familien.
  • Voraussetzung: keine nachträglichen baulichen Änderungen ohne Genehmigung, keine späteren neuen Genehmigungen, die die Altgenehmigung ersetzen.

Was bedeutet das für Sylt?
Entlastung der Verwaltung: Weniger Anträge, klarere Zuständigkeiten
Rechtssicherheit für Eigentümer: Besonders für jene, die Ferienwohnungen seit Jahrzehnten betreiben
Erhalt alter Häuser: Diese Regelung kann helfen, Substanz und Eigentum in Sylter Hand zu halten

📉 Aber: Neuere Ferienwohnungen (nach 1962/1977) fallen nicht unter die Regelung. Für sie bleibt die Lage kompliziert – sie sind weiter auf künftige Bebauungspläne und Genehmigungsverfahren angewiesen. Der Kreis kündigt in seiner Pressemitteilung an, weiterhin zu kontrollieren – allerdings zuerst dort, wo Sicherheitsmängel bestehen. 

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„Merret reicht’s“ begrüßt die Regelung – mit klaren Erwartungen.
In einer aktuellen Stellungnahme äußert sich Birte Wieda vom Bürgernetzwerk „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“ grundsätzlich positiv zur neuen Linie:

🗨️ „Diese Regelung hilft enorm, weil nun bestehende Ferienunterkünfte abgesichert werden, die sehr wahrscheinlich noch in den Händen von angestammten Sylter Familien sind.“

Noch sei allerdings unklar, um wie viele Objekte es unterm Strich überhaupt geht. Zudem, so Wieda, sei es bedauerlich, dass es „erst durch den Druck der Kontrollen zu dieser Lösung kommen musste“ – anstatt frühzeitig politisch zu handeln.

Und ein warnender Blick auf den Bebauungsplan 28 folgt prompt:
🗨️ „Es bleibt die große Aufgabe, den verbliebenen Dauerwohnraum zu schützen und planungsrechtlich abzusichern. Der neue B-Plan 28 gibt das leider nicht her.“

📌 Ihr Appell:
„Jetzt werden die Weichen für die Zukunft der Insel gestellt. Wir sehen derzeit eine historische Chance, durch ernsthafte städtebauliche Planung und Berücksichtigung der insularen Tragfähigkeit das verlorengegangene Gleichgewicht zwischen Tourismus und Lebensraum auf Sylt wieder herzustellen.“

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🔍 Hintergrund:

  • Viele Wohnungen auf Sylt wurden ursprünglich als Dauerwohnraum genehmigt – und später ohne Genehmigung touristisch genutzt.
  • Die Mischung zwischen Dauerwohnen, Zweitwohnsitzen und Ferienvermietung ist dabei vielerorts aus dem Gleichgewicht geraten. Das belegt das Beherbergungskonzept, das die Gemeindevertreter einstimmig beschlossen hatten.
  • Der Kreis geht davon aus, dass es noch bis ins Jahr 2034 dauern wird, bis alle Baugebiete kontrolliert und planungsrechtlich bereinigt sind. 

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📣 Fazit:
Mit der neuen Stichtagsregelung ist dem Kreis Nordfriesland ein bedeutender Schritt gelungen, der Rechtssicherheit schafft, lokale Eigentümer schützt und gleichzeitig die Tür öffnet für neue, gerechtere Planungen auf kommunaler Ebene.

Aber: Der eigentliche Kraftakt beginnt jetzt.
🏠 Wieviel Tourismus vertragen Insel und Einwohner überhaupt noch? 

🏠  Wann wird der weitere Ferienwohnungsbau endlich gestoppt?
🏘️ Wie schützen wir den Dauerwohnraum für Sylter*innen langfristig und nachhaltig?

„Merret reicht’s“ bleibt dran – gemeinsam mit allen, denen Sylt mehr ist als ein Geschäftsmodell.

Hält Haltermann Wort?

Gemeinwohl vor Einzelinteressen – was die Sylter jetzt von der neuen Bürgermeisterin Tina Haltermann erwarten dürfen


Mit Handschlag, Urkunde und anhaltendem Applaus ist Tina Haltermann an der Spitze der Gemeinde Sylt vereidigt worden. Die parteilose Verwaltungsfachwirtin hatte sich zuvor in der Stichwahl mit 55,6 Prozent der Stimmen gegen Markus Gieppner durchgesetzt und trat ihr Amt offiziell zum 1. Mai an.

Wer ist Tina Haltermann?

Haltermann stammt aus der Nähe von Plön, ist 46 Jahre alt, Verwaltungsfachwirtin, und eine, die zuhören kann: So beschreibt sich Haltermann selbst auf ihrer Kampagnen­seite. Sie führte lange das Tourismus-Controlling des Inselservice, ehe sie 2023 ins Rathaus wechselte. Jetzt will sie „kompetent Verantwortung übernehmen, nachhaltig entwickeln und gemeinschaftlich gestalten“. Haltermann übernimmt ein Rathaus, das nach der Abwahl ihres Vorgängers und den Dauerdebatten um illegale Ferien­wohnungen immer noch im Ausnahmezustand arbeitet. Sie trat zwar ohne Parteibuch an, wurde jedoch von der CDU unterstützt. Der Verein Sylter Unternehmer sprach sich öffentlichkeitswirksam für Haltermann aus.

Warum Sylt jetzt eine starke Interessenvertretung braucht

Sylt ist längst zum Symbol für die Spannung zwischen mächtigen Akteuren im Ferien­geschäft und einer Insel­gesellschaft geworden, die bezahlbares Wohnen, intakte Natur und lebenswerte Orte verteidigen muss. Zu oft dominierten in den vergangenen Jahren Einzelinteressen – von Makler-Lobby über Zweitwohnungs­besitzer bis hin zu Investoren mit Kurzfrist-Renditezielen.

Eine Bürgermeisterin kann diese Kräfte austarieren – wenn sie sich klar an das Gemeinwohl bindet und die Insulaner*innen in den Mittelpunkt stellt.

Drei Prüfsteine für die neue Amtszeit

Ihre Agenda – unsere Fragen

  • Dauerwohnraum sichern. Haltermann bekennt sich zum Beherbergungs­konzept und kündigt „konsequente Kontrollen“ an, gleichzeitig aber „faire Übergänge“ für Eigentümer.

  • Klimafeste Insel. Sie will Moor- und Dünen­schutz forcieren und eine „Sanierungs-Offensive für gemeindeeigene Gebäude“ starten. Gut so – doch ohne mutige Bauleit­planung bleiben Immobilienexzesse weiterhin gefährlich real.

  • Dialog statt Grabenkampf. Ein Bürger*innen­haushalt, Bürgersprech­stunden in allen Ortsteilen und ein Online-Portal, über das jede/r Baustellen, Müll oder Zweckentfremdung melden kann, sollen Vertrauen schaffen. Haltermann nennt das „Sylt Mitmachen“. Wir werden diese Pläne konstruktiv begleiten.

Merret bleibt laut – und konstruktiv

Wir gratulieren Tina Haltermann zu ihrem Amts­beginn – und erinnern daran, dass Vertrauen ein Gut auf Vorschuss ist. Sylt braucht eine Rathaus­spitze, die mutig die Interessen der Insel­gemeinde gegen die Lautstärke finanz­starker Minderheiten vertritt. Wenn die Bürgermeisterin den Weg Richtung Gemeinwohl einschlägt, steht sie auf der richtigen Seite.

Im Namen aller, die hier leben, arbeiten und alt werden wollen: Sorgen Sie dafür, dass Sylt wieder den Menschen gehört, nicht dem Profitinteresse Einzelner.

Aus Liebe zu Sylt.
Eure Merret

Bürgermeister*in für Sylt – Wer wird’s? – Merret stellt die Kandidaten vor.

Bürgermeister*in für Sylt – Wer wird’s? – Merret stellt die Kandidaten vor.

Am 16. März 2025 wählen die Einwohner der Gemeinde Sylt ihren neuen Bürgermeister oder ihre neue Bürgermeisterin. Das interessiert nicht nur die Inselbevölkerung. Der Westerländer Rathaussessel ist auch bundesweit ein Thema. Denn Sylt ist bekanntlich immer für eine Schlagzeile gut. Dabei türmen sich die ernstzunehmenden Probleme. Nach Jahren der Haushaltsperre liegt vieles brach. Zudem kämpft die Insel mit der Kreisverwaltung, die mit der Stilllegung nicht genehmigter Ferienwohnungen droht. Eine trostlose Innenstadt will modernisiert werden. Die Infrastruktur hat ebenfalls bessere Tage gesehen. Wer also wird „König“ oder „Königin von Sylt“, wie es die Bild-Zeitung gern auf den Punkt bringt?  Sechs Personen stehen zur Wahl, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch sollen alle einem strengen Anforderungsprofil entsprechen, in der Ausschreibung heißt es: „Die Gemeinde Sylt hat aufgrund des bundesweiten Interesses an dem Geschehen auf der in Deutschland beliebten Nordseeinsel Sylt eine hohe Strahlkraft.“ Es wird nach einer Persönlichkeit mit „Ausstrahlung“ gesucht. Führungs-Knowhow ist wichtig. Erfahrungen im Bereich Tourismus sind notwendig. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse unerlässlich. Zwei Frauen und vier Männer sind davon überzeugt, in dieses Anforderungsprofil zu passen und haben sich beworben.

Doch wer sind diese Leute und was befähigt sie für diesen Job? „Merret reicht’s“ hat als einzige Interessengruppe auf der Insel alle zum ausführlichen Gespräch eingeladen und dabei die Kamera mitlaufen lassen. Jedes Interview war rund eine Stunde lang. Darin stellten sich die Kandidaten und Kandidatinnen den Fragen des Bürgernetzwerks und gaben auch Persönliches preis. Wer die Kandidaten kennenlernen möchte und noch unsicher in der Entscheidung ist, kann sich hier ausführlich informieren.

(Einer hat jedoch gekniffen. Melf Hansen, der Wirt aus dem „Irish Pup“ in Westerland wollte sich dann doch nicht von uns befragen lassen und hat kurzfristig abgesagt,.)

Macht euch ein Bild von unserer Zukunft in den nächsten sechs Jahren! Klickt den entsprechenden Youtube-Link zur Person an. Die Interviews starten nach dem Merret-Song.

Jali Schneider – Die Unkonventionelle

Viel Power, viele Ideen, aber wenig Erfahrung. Vorteil oder Nachteil?

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Jens-Peter Meckel – Der Abgeklärte

Jurist, lebenserfahren und mit 71 der älteste. Spricht das eher für ihn – oder eher nicht?

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Tina Haltermann – Die Insiderin

Durchblickerin, Netzwerkerin – und mit dem Verwaltungssystem verwachsen. Steckt sie selbst zu tief drin oder ist das gerade gut?

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Markus Gieppner – Der Politiker

Gemeindevertreter, Kenner der Materie, Realist. Mit Visionen, aber ohne Illusionen. Schon zu abgeschliffen oder genau passend?

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Nils Brinkmann – Der Heimkehrer

Medienwissenschaftler, in Gremien erfahren, Arbeitstier. Zu lange zu weit weg gewesen? Oder ist Distanz genau die Trumpfkarte?

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𝗚𝗹𝘂𝗰𝗸 𝗚𝗹𝘂𝗰𝗸 𝘄𝗲𝗴 𝘄𝗮𝗿 𝗲𝘀 – List: ein Schwimmbad säuft ab

𝗪𝗶𝗲 𝗱𝗮𝘀 𝗟𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗶𝗺𝗺𝗯𝗮𝗱 𝗮𝗯𝗴𝗲𝘀𝗼𝗳𝗳𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 – 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝗽𝘂𝗿𝗲𝗻𝘀𝘂𝗰𝗵𝗲

Ach ja. Schade. Wäre schön gewesen. Aber leider nein. Das Lister Schwimmbad kommt nicht. Obwohl es den Syltern versprochen worden war. Es sollte ein großzügiges Dankeschön sein für die Erlaubnis, in List ein riesiges Feriendorf mit Hunderten von Einheiten zu errichten. Von wem denn? Vom Bauträger Marc Weinstock und dem Bürgermeister höchstpersönlich? Ernsthaft? Das ist doch schon so lange her. Das war während einer Einwohnerversammlung am 15. September 2020 in List. Daran kann sich sowieso keiner mehr erinnern. Der offizielle Videomitschnitt der Gemeinde wurde längst gelöscht. Er wurde trotzdem für die Nachwelt gesichert. Falls es mal wichtig würde. So wie jetzt. Dennoch behaupten heute alle, die dem Dünenpark tatkräftig den Weg geebnet haben, Bauträger Weinstock hätte immer gesagt, mit seinen vier Millionen plus der zugesagten Förderung vom Bund ist die Sanierung ruckzuck erledigt. Aber wie das Leben so spielt… Es läuft nie wie geplant. Irgendwas ist ja immer. Am Ende war das Schwimmbad einfach nur ein Luftschloss ohne Wasser. Nicht mehr und nicht weniger. Ihr seid alle drauf reingefallen? Shit happens. Ihr wisst doch, wie das hier auf Sylt immer läuft. Nach altbekanntem Muster. Und zwar so:

Riesiges Sylter Bauprojekt, große Versprechungen, Geschenke, Werben um Vertrauen, fehlende Verträge, Ungereimtheiten, wieder Werben um Vertrauen, Kapitulation, Hände in Unschuld waschen, Schwamm drüber.

+++ 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗶𝗺𝗺𝗯𝗮𝗱 𝗳𝗲𝗵𝗹𝘁𝗲 𝘀𝗰𝗵𝗼𝗻 𝟮𝟬𝟮𝟬 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗕𝗮𝘂𝗽𝗹ä𝗻𝗲𝗻 +++

Aber von vorn: Manfred Koch war 2020 stellvertretender Bürgermeister von List, und in dieser Funktion stellte er in einer der ersten Sitzungen im neuen Jahr dem Gemeinderat die aktualisierten Pläne des Dünenpark-Bauträgers DSK-BIG vor. Das war eigentlich der Job von Bürgermeister Benck, aber der war im Urlaub. Zuerst fiel es den Anwesenden gar nicht auf, aber bei näherem Hinsehen fehlte zur allgemeinen Überraschung auf einem der neuen Pläne ausgerechnet das Schwimmbad. Schon damals. Es war nicht mehr eingezeichnet. Einfach verschwunden. Stattdessen waren dort Häuser geplant. Wie das? Das musste ein Fehler sein. Manfred Koch ließ ins Protokoll schreiben, dass die Schwimmhalle wie geplant auf jeden Fall erhalten bleiben muss. 

Es war aber nicht die einzige Ungereimtheit und auch nicht die erste. Manfred Koch legte sein Amt nieder. Der Sylter Rundschau – Nachrichten für die Insel Sylt sagte er: „Der Bürgermeister und ich haben lange Zeit gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. In letzter Zeit haben wir das nicht mehr so gut hingekriegt.“ Spricht man ihn heute darauf an, so lacht er laut auf und verweist auf das „typische Sylt-System“, das Kritiker und Nicht-Mitschwimmer abstraft. Der Zeitung sagte Koch nach seinem Rücktritt: „Dies hatte auch Auswirkungen auf das Leben außerhalb der politischen Arbeit.“ 

Nun folgte eine Kette von Überraschungen. Als nächstes wurde bekannt, dass für das Hallenbad keine Betriebserlaubnis existiert. Die war gemeinsam mit der Marineversorgungsschule erloschen. Die neue Eigentümerin, DSK-BIG, hatte bei der Übernahme des Grundstücks keine neue beantragt. Das Schwimmbad wurde folglich offiziell geschlossen, das Wasser abgelassen, kurz darauf brach der Beckenboden an mehreren Stellen auf, kapitale Risse waren die Folge, die Pumpen gingen kaputt. Exitus. 

Nicht so schlimm, ließ Bürgermeister Ronald Benck in der Sylter Rundschau verlauten. Fünf Millionen koste die Sanierung, der Bund habe 900.000 Euro Fördermittel zur Sanierung freigegeben und der Eigentümer beteilige sich mit vier Millionen. Also alles in Butter. Zwölf Monate werde die Sanierung in Anspruch nehmen. „Mindestens“, ließ Investor Marc Weinstock die Öffentlichkeit wissen. „Mit Mitteln von insgesamt knapp fünf Millionen Euro (können wir) die Schwimmhalle energetisch und technisch auf einen zeitgemäßen Stand bringen.“ Mit dieser Ankündigung zur Fertigstellung spätestens Ende 2021 endete nicht nur die offizielle Kommunikation, sondern auch das Märchen vom neuen Schwimmbad.

Denn das Projekt war da längst tot, gestorben vier Monate vorher in einer Bauausschusssitzung der Gemeinde List. Nachzulesen in der Niederschrift der 2. Sitzung 2020. Dort eröffnete Schwimmbadversprecher Weinstock den Gemeindevertretern, dass eine Sanierung „eventuell“ wirtschaftlich nicht umsetzbar sei und dass es trotz des Denkmalschutzes auf Antrag seiner Dünenparkfirma zu einem Abriss kommen könne. Ein Knaller. 

„…eventuell wirtschaftlich nicht umsetzbar…“ Wer sich mit solchen Bauträger-Formulierungen auskennt, hätte hier schon Bescheid gewusst. Für Bürgermeister Benck kein Alarmsignal: „Die Entscheidung muss emotional und nicht kalkulatorisch getroffen werden.“ 

Was dann folgte, ist ein jahrelanges Verwirrspiel um die Lister Schwimmhalle, das offenbar nur einem einzigen Zweck diente: den Syltern weiterhin vorne eine leckere Schwimmbadwurst hinzuhalten, um hinten in Ruhe den Dünenpark fertig zu bauen. Wenn man sich die Mühe macht, alle Protokolle und Schriftstücke aus den letzten fünf Jahren zu lesen, die vielen Puzzleteile zusammenzusetzen und um die Berichterstattung in der Sylter Rundschau ergänzt, wenn man den Förderantrag liest, die Kommunikation zwischen Verwaltung, dem Bürgermeister und der DSK-BIG durchleuchtet, wenn man achtzig Seiten Papier durchgearbeitet hat, um herauszufinden, an welcher Stelle das Projekt denn nun abgestürzt und wer dafür verantwortlich ist, wird man immer wieder auf diese eine Bauausschusssitzung am 11. März 2020 zurückgeführt. Alles, was danach kam und bis heute vor sich hin brodelt, legt folgenden Schluss nahe:

+++ 𝗗𝗮𝘀 𝗟𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝗦𝗰𝗵𝘄𝗶𝗺𝗺𝗯𝗮𝗱 𝘄𝗮𝗿 𝗻𝘂𝗿 𝗲𝗶𝗻 𝘃𝗲𝗿𝗵𝗲𝗶ß𝘂𝗻𝗴𝘀𝘃𝗼𝗹𝗹𝗲𝘀 – 𝗹𝗲𝗲𝗿𝗲𝘀 -𝗩𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻 +++

Schon im Förderantrag, den Bürgermeister Benck im November 2021 beim Bund mit einer entsprechenden Kostenkalkulation eingereicht hatte, war nicht mehr nur vom Schwimmbad, sondern auch von der angeschlossenen Mehrzweckhalle die Rede. Es ging nun nicht mehr nur um fünf Millionen, sondern auf einmal schlugen 7,3 Millionen Euro zu Buche. Eine Steigerung von 50%, was aber selbst in Gemeindevertretersitzungen absichtlich oder unabsichtlich nie offen kommuniziert wurde. Dort blieb Benck eisern bei „förderfähigen Gesamtkosten“ von rund fünf Millionen Euro. Das war zwar nicht falsch, aber es war eben nicht die ganze Wahrheit. Die Wahrheit war in der Spalte „Gesamtkosten des Projekts“ zu finden und sie lautete: 7,3 Millionen Kosten.

Im Antrag schwarz auf weiß nachzulesen ist außerdem, dass die Dünenpark GmbH von Marc Weinstock nun nicht mehr vier Millionen dazugeben wollte, sondern nur noch drei. Es gab also 2021 bereits eine Unterdeckung von 3,4 Millionen Euro, um das Schwimmbad und die Mehrzweckhalle zu sanieren. In einer Hauruck-Aktion peitschte Benck die Zusage für diese Eigenmittel durch die Gemeindevertretung und begründete das mit „Regularien“, um die Fördergelder in Höhe von 900.000 Euro überhaupt zugesagt zu bekommen. Fragt man heute Lister Gemeinderatsmitglieder, die damals dabei waren, erinnern sie sich an eine „Pistole auf der Brust“. Und den wenigsten ist bis heute klar, dass sie mit ihrer Zustimmung der Gemeinde 3,4 Millionen Euro Schulden aufbürden würden. Schulden bei Marc Weinstock, dem nämlich die Sportanlagen gehören, die nun auf einmal zur Hälfte mit Steuergeldern saniert werden sollten. 

+++ 𝗙𝗼𝗿𝘁𝗮𝗻 𝗴𝗶𝗻𝗴 𝗺𝗮𝗻 ü𝗯𝗲𝗿 𝗶𝗻 𝗣𝗵𝗮𝘀𝗲 𝟯: „𝗩𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝗹𝗲𝗽𝗽𝘂𝗻𝗴“. +++

Die Zusage für die 900.000 Euro zur Förderung vom Bund kam schnell. Dass der Bund, Deutschlands nördlichstes Schwimmbad mit knapp einer Million Euro unterstützt, war auch unserer damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Astrid Damerow eine große Pressemeldung wert („Ich freue mich über die Entscheidung“). Bei Glanz ist man ja immer gern dabei. Bei Elend nicht mehr erreichbar. 900.000 Euro. Das Geld hätte abgerufen werden können. Aber dafür müsste man natürlich anfangen zu bauen. Und dafür bräuchte man erstmal eine Baugenehmigung. Ein Bauantrag wurde aber nie eingereicht – weil gar keiner existiert? Den Baubeginn hatte die Dünenpark GmbH dem Bund jedenfalls für das vierte Quartal 2022 zugesichert. Da aber nichts passierte, gab es im Lister Kommunalparlament entsprechende Nachfragen. In den Protokollen liest sich das so: „Es wird nach dem Baubeginn einer möglichen neuen Schwimmhalle gefragt.“ Antwort Bürgermeister Benck: „Diese Frage kann aktuell nur durch die DSK-BIG beantwortet werden, da es sich bei den Sportflächen um ein Privatgelände handelt.“ 

Ja, dieses Privatgelände… Das ist natürlich brisant. Steuergelder auf Privateigentum einzuzahlen, das ist tricky. Der Plan war aber auch, das Schwimmbad nach Fertigstellung für einen Euro an die Gemeinde zu verkaufen oder für kleines Geld zu verpachten. Nur wie überführt man eigentlich Privateigentum in die öffentliche Hand? Oder umgekehrt. Was gilt es zu beachten? Da müsste es eigentlich Verträge geben. Oder zumindest Vertragsentwürfe. Aber nicht einmal die gibt es. „Habt doch mal Vertrauen!“, Ronald Benck hatte sich mittlerweile ein neues Mantra angeschafft. Ja, Vertrauen ist sehr gut. Aber, wie würde es denn mit der späteren Nutzung aussehen? Was zahlt die Gemeinde konkret? Ist die Höhe gedeckelt? Wer bezahlt das Personal? Nichts wurde geklärt. Nichts wurde festgezurrt. Nirgends findet sich etwas Handfestes. Nichts Schriftliches. Es gab immer wieder Nachfragen, das schon. Zeitungsredaktionen, Gemeindeverterinnen, auch „Merret reicht’s“ erkundigten sich. Weinstock und Benck fühlten sich dadurch „weit unter der Gürtellinie“ angegriffen. Misstrauen sei fehl am Platz. „Die Fakten sind allen bekannt“, sagte Benck. „Es werden Behauptungen aufgestellt, die völlig aus der Luft gegriffen sind.“ So vergingen die Jahre.

Zwischendrin änderte der Bürgermeister kurz mal sein Profilbild auf Facebook und gab sich damit als Sympathisant der neu gegründeten Bürgerinitiative „Pro List“ zu erkennen. Die Initiatorin von „Pro List“, Roswitha Ladwein, sorgte für kraftvolle Unterstützung des Bürgermeisters: „Wir brauchen den Dünenpark, und wir brauchen die Schwimmhalle, den Sportplatz, und wir brauchen die Kita! Es geht um die Zukunft von List.“ Ronald Benck fühlte sich bestätigt: „Danke für dieses tolle Engagement an alle Beteiligten dieser Gruppe“, schrieb Benck. „Es freut mich umso mehr, weil es hier in List einige wenige Mitbürger gibt, die mit aller Gewalt versuchen, dieses für List so wichtige Projekt zu torpedieren und schlecht zu reden. Schön, 𝗱𝗮𝘀𝘀 𝗲𝘀 𝗱𝗲𝗻 𝗟𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿𝗻 𝗻𝘂𝗻 𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁’𝘀.“ 

+++ 𝗗𝗮𝗻𝗻 𝗽𝗹ö𝘁𝘇𝗹𝗶𝗰𝗵: 𝗱𝗶𝗲 𝗞𝗼𝘀𝘁𝗲𝗻 𝘀𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻 𝗻𝘂𝗻 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗟𝗶𝘀𝘁𝗲𝗿 𝘁𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻, 𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗴𝗮𝗻𝘇𝗲 𝗜𝗻𝘀𝗲𝗹 +++

Zugegeben. Merret kann einem schon ganz schön auf die Nerven gehen. Aber wenn es „Merret reicht’s“ nicht gäbe, dann gäbe es auch diese Geschichte nicht. Oder man würde sie nicht glauben. 

Als es nämlich nicht mehr zu übersehen war, dass das Feriendorf wuchs und wuchs, die Schwimmhalle jedoch mehr und mehr verfiel und sich die „Pro List“- Bürgerinitiative längst wieder aufgelöst hatte, änderte Ronald Benck auf einmal seine Strategie. Nun tat er so, als wäre doch sonnenklar, dass es viel zu teuer werden würde, das Lister Schwimmbad zu sanieren. Wo denkt ihr hin? Zehn Millionen würde das kosten. Bäm. Wie Ronald Benck auf einmal darauf kam? Er hatte die Kosten einfach mal geschätzt und verwies auf den russischen Angriffskrieg. Seitdem sei doch alles um 30% teurer geworden, oder nicht? 

Was er verschwieg: seit dem Förderantrag war die Kalkulation nicht mehr angepasst worden. Es gibt überhaupt keine neue Kostenberechnung. Wozu auch? Man hatte ja sowieso ganz offensichtlich nicht vor, ein Schwimmbad zu sanieren. Die Fördermittel seien nun leider auch schon weg. „Diese hätten wir schon jetzt verbaut haben müssen, zudem war die Summe an Auflagen geknüpft. Unter anderem daran, dass die Sanierung bis Ende 2025 fertig ist und wir haben ja noch nicht mal angefangen“, so Benck in der Sylter Rundschau. Ist doch logisch.

Warum eigentlich nicht? Warum hat man nicht angefangen? Na, wegen des Denkmalschutzes, ließ dann wiederum die BIG-BAU verlauten. So eine Denkmalschutzbehörde prüft erfahrungsgemäß lange. Sehr lange. Prüft sie eigentlich immer noch? Niemand weiß es. Aber da ist da ja wenigstens noch der Beschluss der Gemeindevertretung zur Übernahme der 3,4 Millionen Defizit, den Benck damals durchgepeitscht hatte. Der steht ja. Damit könnte man zumindest noch arbeiten. Aber auch hier legte Ronald Benck den Rückwärtsgang ein: „Wo soll denn das Geld herkommen?“, fragte er in der Sylter Rundschau, denn List habe ja gar keins, „daher werde ich meiner Gemeindevertretung empfehlen, nicht für die Sanierung zu stimmen.“ Moment mal. Die Sanierung war doch beschlossen und abgestimmt. Für Benck nun nicht mehr. 

Stattdessen reicht er das Projekt einfach weiter: „Wir können als Gemeinde List alleine die Schwimmhalle weder kaufen noch pachten. Wir müssen am Ende zu einer Lösung kommen, die von allen Sylter Gemeinden mitgetragen wird. Deshalb prüfen wir derzeit die Gründung eines Zweckverbands.“ Aha. Bloß weg mit der heißen Kartoffel. Raus aus der Verantwortung. Nun prüfen also alle Sylter Gemeinden tatsächlich, ob sie das alte Lister Schwimmbad mitfinanzieren. Inzwischen sind inselweit bereits Dutzende Kommunalpolitiker und zig Verwaltungsleute in dieses Projekt mit hineingezogen worden, es gab Sitzungen, Fragenkataloge wurden erarbeitet, viel Zeit und Mühe sind schon eingeflossen, enorme Ressourcen wurden verbraucht, viele Feierabende wurden Ronald Benck geopfert, um sich in die Materie einzulesen, Gespräche zu führen, Ideen zu entwickeln. Über den Daumen gepeilt, beschäftigen sich zusammen mit der Verwaltung ungefähr fünfzig Leute mit dem Thema. Vielleicht sollte man mal eine Kostenaufstellung der bisher bereits geleisteten Arbeitsstunden anfertigen und dem Steuerzahlerbund vorlegen. 

Ein Schwimmbad in List? Welcher Gemeinde ist zuzumuten, so weit zu fahren. Von Hörnum aus? Nee. Da gabs dann schon mal eine Absage. Und dann musste man sich auch noch mit dieser komplizierten Konstruktion Dünenpark, Privateigentum, Gemeindenutzung beschäftigen, bei der in fünf Jahren nicht geklärt wurde, wie man das rechtssicher handhaben kann. Da baut man doch lieber ein ganz neues Schwimmbad in der Inselmitte. Irgendwann. Genau. Das macht viel mehr Sinn. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, dafür braucht man allerdings keine fünfzig beratschlagenden Leute. Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.

Wozu also dieser enorme Aufwand? Um zu simulieren, dass das Lister Schwimmbad vielleicht doch noch zu retten ist? Um so zu tun, als hätte man sich dafür zerrissen, als gäbe es noch eine Chance? 

List kann es nicht mehr werden. Und das liegt laut Aussage von Ronald Benck vor allem an einem ganz entscheidenden Detail: Seitdem man vor fünf Jahren das Wasser abgelassen habe, ist der Boden der alten Schwimmhalle aufgebrochen, hat tiefe Risse. „Die Kosten dafür könnte ich nicht mal abschätzen“, wird Benck in der Sylter Rundschau zitiert. Dass der Boden kaputt ist, wusste er aber 2020 schon. Damals hieß es: kein Problem. 

Wie ungeniert und lässig der Lister Bürgermeister mit dem Hoffnungsprojekt Schwimmhalle umgeht, ist großes Kino. Man könnte es auch als Kunststück bezeichnen, wie sich Benck immer wieder elegant aus der Affäre zieht und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Aber vielleicht war das Ding auch für einen ehrenamtlichen Bürgermeister von vornherein viel zu groß. Die BIG-BAU spielt einfach in einer anderen Liga. Man darf Ronald Benck unterstellen, dass er das Beste wollte. Aber Wollen und Können sind nicht dasselbe. Auf Bundes- oder Landesebene würde man jetzt einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Woanders nimmt man seinen Hut. 

Schwamm drüber. Die Welt dreht sich weiter. In List konzentriert man sich nun auf das nächste Thema, das andere „Geschenk“ des Dünenparks an die Gemeinde, den Kindergarten. Der sollte zum jetzigen Zeitpunkt zwar auch schon in den letzten Zügen der Fertigstellung liegen, aber leider nein. Zwei Jahre nach Erstbezug der Dauerwohnungen in den „Fünf Schwestern“ war hier Deadline. So stehts geschrieben. Dass das nichts mehr wird, ist auch schon klar. Bereits abgehakt. Irgendwas ist ja immer. Diesmal Schädlingsbefall. Der Kindergarten soll nun zum 1. März 2028 fertig werden, wenn auch die kleinsten Dünenpark-Kinder schon in der Schule sind. Zweifeln ist nicht erlaubt. 

Foto Schwimmhalle: Martin Tschepe